Fontenay-Streit

Sternekoch kontert Kühne: "Ich bin eben qualitätsbewusst"

Cornelius Speinle steht mittlerweile nicht mehr am Herd des Gourmet-Restaurants Lakeside im Hotel The Fontenay.

Cornelius Speinle steht mittlerweile nicht mehr am Herd des Gourmet-Restaurants Lakeside im Hotel The Fontenay.

Foto: Michael Rauhe / HA

Cornelius Speinle reagiert überrascht auf die Kritik seines Ex-Chefs Klaus-Michael Kühne – und holt zum Gegenschlag aus.

Hamburg.  Der Schweizer Cornelius Speinle hat in seiner Karriere schon zahlreiche Ehrungen erhalten. Die wichtigste für den Koch in jüngster Zeit war, dass seine Küchenleistung im Lakeside mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Das war Anfang 2019, und das Luxushotel The Fontenay, zu dem das Gourmet-Restaurant gehört, hatte erst im März 2018 eröffnet. Doch die Freude währte nicht lange, im Oktober dieses Jahres wurde verkündet, dass der Spitzenkoch das Haus verlässt.

In der Mitteilung des Hotels The Fontenay war damals zu lesen: „Das bisherige Gourmet-Restaurant Lakeside wird zukünftig nicht mehr unter der Leitung eines Sternekochs stehen, sondern bietet bereits ab Mitte November 2019 gehobene internationale Küche von Küchenchef Stefan Wilke an.“ Daraus wurde bislang nichts. Zur Zeit geben Köche von der spanischen Ferieninsel Mallorca ein Gastspiel im Lakeside in der siebten Etage.

Kühne erhob schwere Vorwürfe gegen Speinle

Im Abendblatt-Interview erhob The-Fontenay-Eigentümer Klaus-Michael Kühne am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen Speinle: „Der Sternekoch Speinle hat uns enttäuscht, nicht der Qualität wegen, die exzellent war, sondern weil es ihm nicht gelang, die Küche personell stabil zu halten und wirtschaftlich auszurichten“, so Kühne.

Das Kochtalent hatte sich nach seinem Abschied vom Lakeside bislang nicht in einer Zeitung geäußert. Doch nach den Vorwürfen von Kühne reagierte Speinle nun auf eine Abendblatt-Anfrage: „Die Aussagen von Herrn Kühne haben mich überrascht und sind für mich nicht nachvollziehbar. Ich hatte eine tolle Zeit im Lakeside, und gemeinsam mit dem Team haben wir viele Auszeichnungen erhalten. Deshalb konnte ich nicht verstehen, warum man diesem Restaurant nach nur 18 Monaten eine neue Ausrichtung geben wollte, die mit Sterneküche nichts zu tun hat und meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird.“

Daraus zog der Wahlhamburger seine Konsequenzen: Deshalb habe er das The Fontenay verlassen. Es sei doch allgemein bekannt, dass ein Restaurant mit einer Küche auf höchstem Niveau eine längere Startphase brauche.

Speinle: Kann keinen tiefgefrorenen Fisch anbieten

Und was sagt Speinle zu dem Vorwurf von Klaus-Michael Kühne, es „wurde viel zu teuer eingekauft“? Dazu der leidenschaftliche Koch: „Ich lege höchsten Wert auf die Qualität der Produkte, die ich in der Küche verarbeite. Natürlich hat hochwertige Ware ihren Preis. Die Gäste, die viel Geld für ein Menü bezahlen, haben auch ein Anrecht darauf, dass ihnen ein hohes Niveau geboten wird.“ Da könne man keinen tiefgefrorenen Fisch anbieten.

Laut Kühne verlor Speinle wegen „Personalproblemen und Kritik an seiner ökonomischen Verhaltensweise das Interesse an seiner Aufgabe“. Für Speinle selbst steht fest: „Ich habe mir mein eigenes Team weitgehend selbst zusammengestellt. Das heißt, die Köche kannten meist meine Art zu arbeiten. Ich bin eben qualitätsbewusst. Dass es eine gewisse Fluktuation gibt, ist normal in der Branche.“

Der Spitzenkoch spielt den Ball an HSV-Investor Kühne zurück. „Dass aber Stellen nicht nachbesetzt wurden, liegt nicht in meiner Verantwortung. Deshalb hatte ich auch keine Schuld an etwaigen Personalproblemen“, so Speinle.

Speinle könnte Fontenay-Mitarbeiter abwerben

Zweieinhalb Jahre stand der 33-Jährige in Diensten von Klaus-Michael Kühne. Es gab in dieser Zeit nicht nur den Michelin-Stern. Das Lakeside stieg auch von null auf 17 im Gault&Millau ein (20 ist die höchste Punktzahl). Außerdem wurde Speinle vom Gault&Millau zum „Schweizer Star im Ausland“ ernannt.

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Der Ausnahmekoch, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, kann sich wohl seinen neuen Arbeitgeber aussuchen. Bislang hat er aber offensichtlich noch keinem Gourmettempel den Zuschlag erteilt: „Wir haben uns in Hamburg gut eingelebt und fühlen uns hier wohl. Aber ich würde für einen neuen Job zum Beispiel auch nach Süddeutschland oder in die Schweiz gehen.“

Und vielleicht verliert das The Fontenay bald noch einige Mitarbeiter: „Viele aus meinem Team im Lakeside stehen schon in den Start­löchern und würden gerne wieder mit mir an meiner neuen Wirkungsstätte zusammenarbeiten.“

Es könnte gut sein, dass dann auch Kühne zum Essen bei Speinle vorbeischaut. Hat der Wahlschweizer ihm doch bei all seiner Kritik bescheinigt, dass es nicht an der Qualität gemangelt hat.

Das Hamburger Luxushotel The Fontenay in Bildern: