Restaurant Hamburg

Rindchen empfiehlt rustikale Gastronomie im Vineyard

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Gerd Rindchen
Gerd Rindchen empfiehlt dieses Mal eine etwas rustikalere Küche.

Gerd Rindchen empfiehlt dieses Mal eine etwas rustikalere Küche.

Foto: Bertold Fabricius

Genussexperte Gerd Rindchen erfreut sich an einer Lokalität vor seiner Haustür, die mit österreichischer Küche überzeugen kann.

Hamburg und Wien sind gleichermaßen lebens- und liebenswert – beneidet habe ich die Wiener aber immer um ihre Heurigenwirtschaften, wo in rustikalem Ambiente zu guten Weinen erstklassiges Essen serviert wird. Um so erfreulicher war es nun festzustellen, dass sich quasi vor unserer Haustür eine Lokalität befindet, die den besten Wiener Heurigen nicht nur das Wasser reichen kann, sondern diese in puncto Preiswürdigkeit beim Wein, Auswahl und Vielfalt sogar meist übertrifft.

Dabei handelt es eigentlich um einen alten Hut: Das Vineyard Weinlager in der Osterstraße mit angeschlossener rustikaler Gastronomie. Schon immer gab es hier das schlaue Konzept, alle feilgebotenen Weine des Weinhandels mit einem relativ geringen, fixen Kork- beziehungsweise Schraubgeld von aktuell 11,90 Euro pro Buddel vergleichsweise preisgünstig anzubieten – mit dem Ergebnis, dass man wohl nirgends in Hamburg hochwertige Weine flaschenweise günstiger genießen kann. Wer da noch zum mediokren offenen Grauburgunder aus der Literflasche für 6,90 Euro pro Glas greift, ist selbst schuld.

Restaurant Hamburg: Rindchen empfiehlt ein Betreiberduo, was sich neu erfunden hat

Nur nützte das alles nix, weil sich das Speisenangebot bis vor zwei Jahren im Wesentlichen auf Flammkuchen, Antipasti aus dem Glas sowie diverse Wurst- und Käsevariationen beschränkte. In der pandemiebedingten Pause hat sich das Betreiberduo Berner/Bolognino neu erfunden und nicht nur das kulinarische Angebot spektakulär und regional aufgerüstet, sondern auch die vorher recht mainstreamige Weinauswahl um einige grandiose, teils biodynamische Erzeuger erweitert. In der Küche wirkt mit dem beseelten, hoch talentierten Eugen Weissmann nun ein Chef, der mit Akribie und Besessenheit auch an den kleinsten Kleinigkeiten feilt und so vermeintlich einfache Gerichte auf eine neue Stufe hebt. So können Sie hier, so Sie das mögen, mit sechs erstklassigen Wilden regionalen Austern starten (moderate 19,50 Euro), zu denen die am besten ausbalancierte Schalotten-Vinaigrette gereicht wird, die ich je bekommen habe.

Sodann umschiffen Sie weiträumig die sportlich kalkulierten Flammkuchen (je 14,90 Euro) und begeben sich auf Entdeckungsreise zu den Empfehlungsgerichten. Die zum Einheitspreis von je 17,90 Euro angebotenen Teller sind eher größere Vorspeisenportionen, wählt man drei Teller zum Teilen aus, bekommt man die auf einer schmucken Etagère für freundliche 45 Euro serviert. Dabei aktuell: knackige saisonale Vierländer Gemüse-Antipasti, gegrillter Spargel mit Rhabarber, Ei, Kartoffel und einer großartigen Miso-Hollandaise, 120 g Bio Beef-Tatar mit Kartoffel, Espuma, Crunch und einem göttlichen, ungemein konzentrierten Jus, oder 120 g Beef-Tataki mit Möhrenpüree, Frühlingslauch und ebenfalls sensationeller Ponzu-Sauce – Umami pur.

Weinauswahl ist mit über 500 Einträgen das reine Paradies

Die Weinauswahl dazu ist das reine Paradies: Fläschchen Crémant gefällig? Gern, ab 23,80 Euro. Toller Gutsriesling vom weltberühmten Biodynamik-Gott Clemens Busch? Sind Sie mit 24,80 Euro dabei. Die legendäre Rioja Reserva von Muga? 39,80 Euro.

Riesling Großes Gewächs „Kirschgarten“ vom grandiosen Philipp Kuhn? 45,40 Euro. Das Stöbern in der 500 Positionen umfassenden Karte ist das pure Vergnügen. Dabei bitte das spannende Essen nicht vergessen.

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