Gastronomie

Aus eigenem Anbau – Szenewirt betreibt Stadtfarm in Hamburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Ulrich Gaßdorf
Hygge-Wirt Nils Jacobsen (r.),      Mathias Graefke-Krull (l.) und Florian Stark präsentieren die kleine Farm in den Elbvororten.

Hygge-Wirt Nils Jacobsen (r.), Mathias Graefke-Krull (l.) und Florian Stark präsentieren die kleine Farm in den Elbvororten.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Hygge-Wirt Nils Jacobsen baut in ehemaliger Gärtnerei in Nienstedten für das eigene Restaurant an. Auch ein Café soll dort eröffnen.

Hamburg. Als Gastronom und Hotelier ist Nils Jacobsen bereits ausgesprochen erfolgreich. Der Unternehmer führt das weit über die Elbvororte hinaus bekannte Restaurant Hygge im Landhaus Flottbek – das soeben vom „Szene Hamburg“-Magazin als Restaurant des Jahres ausgezeichnet wurde. Außerdem nennt der 58-Jährige zwei weitere Hotels und ein Boardinghouse in der Hansestadt sein Eigen.

Aber damit ist der umtriebige Geschäftsmann, der immer nur so vor Ideen sprudelt, offensichtlich noch nicht ausgelastet. Jetzt ist der Blankeneser unter die Farmer gegangen. Aber nicht im ländlichen Umland von Hamburg, sondern in Nienstedten. Dort, an der Cordsstraße, stehen großzügige Einfamilienhäuser, und plötzlich tauchen Gewächshäuser auf. Bis vor einigen Jahren hat dort die Familie Scheele in dritter Generation die Gärtnerei Cords betrieben.

Vor geraumer Zeit bereits hatte Jacobsen das Ensemble entdeckt und war elektrisiert. „Das ist ein Kleinod mitten in der Stadt. Ich hatte sofort den Gedanken, eine kleine, aber feine Farm daraus zu machen und natürlich die sechs Gewächshäuser zu erhalten und zu bespielen. Das, was wir hier anbauen, kommt dann direkt in die Küche vom Hygge und auf die Teller der Gäste“, erzählt Jacobsen beim exklusiven Ortstermin mit dem Abendblatt. Er steht mitten in einem der lichtdurchfluteten Gewächshäuser, in dem vor wenigen Wochen ein Pop-up-Hofladen eröffnet wurde.

Gastronom baut in in Nienstedten für das eigene Restaurant an

Aber der Reihe nach: Vor einem Jahr haben Jacobsen und sein Geschäftspartner Frits Häcker einen Mietvertrag über 15 Jahre für das Objekt mit rund 2000 Quadratmeter Fläche unterschrieben. Zunächst wurden die Gewächshäuser instand gesetzt und mit der Anbauplanung gestartet. Das Ergebnis lässt sich sehen. In einer der Halle wachsen zehn unterschiedliche Tomatensorten in diversen Farben. In einer anderen werden verschiedene Sorten Paprika und Gurken angebaut.

Auch Zucchini, indischer Spinat, Grünkohl und Kürbisse aus eigenem Anbau wurden bereits geerntet. Und Blumenblüten, die zum Verzehr geeignet sind, gedeihen in den Gewächshäusern. Demnächst soll mit Kräutern gestartet werden. „Wir experimentieren hier viel. Wichtig ist uns, dass wir keine chemischen Pflanzenschutzmittel einsetzen, sondern hier nur biodynamisch angebaut wird“, sagt Betriebsleiter Mathias Graefke­-Krull.

Lächelnd erklärt Jacobsen. „Natürlich kümmern sich Experten um Hygge the farm, denn ich habe keinen grünen Daumen. Wir haben auch zwei Gärtner eingestellt.“ Für Jacobsen war wichtig. „Alle reden immer von Nachhaltigkeit und regionalen Zutaten. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter, wir sind sozusagen Selbstversorger. Unsere Küchencrew im Hygge wird von der Farm mit Produkten versorgt, die wir hier selber nur wenige Minuten entfernt von unserem Restaurant anbauen.“

Auch Gemüse- und Obstkisten­lieferservice in Planung

Auch das asiatische Restaurant Oren-Ishii in der Innenstadt bezieht Ware von der Farm. Und man könne sich durchaus vorstellen, weitere Betriebe zu beliefern, sagt Jacobsen. „Aber zunächst wollten wir vor allem mit unserem Pop-up-Hofladen auch die Menschen hier in den Elbvororten versorgen. Demnächst werden wir auch einen Gemüse- und Obstkisten­lieferservice hier in der Umgebung anbieten.“

Ausgeliefert werden soll mit dem Fahrrad oder einem Elektroauto. Nach und nach wird die Produktpalette erweitert: „Wir bauen zum Beispiel auf einem Acker in Eidelstedt Kartoffeln, Rote Bete und diverse Kohlsorten an. Was wir nicht selber erzeugen, das erhalten wir von uns bekannten Lieferanten aus der Region“, erklärt Jacobsen.

Zum Beispiel Öl, Schinken oder Trüffelbutter. Aber auch in der Hygge-Küche produzierte Suppen und Saucen sind hier zu finden. Und Jacobsen hat sich auch einem Bildungsauftrag verschrieben. „Wir laden regelmäßig Kitagruppen und Schulklassen ein, die dann von unseren Gärtnern durch die Farm geführt werden. Und natürlich können die Kinder dann auch die ein oder andere Kostprobe nehmen“

Nächstes Projekt: Ein Deli in den Elbvororten

Doch Nils Jacobsen hat noch weitere Pläne. Eines der Gewächshäuser soll zu einem Café umgestaltet werden. Das wird aber noch einige Zeit dauern. „Wir bauen noch eine Küche ein, und dann nehmen die Gäste direkt im Herzen unserer grünen Lunge Platz“, sagt der Neu-Farmer. Unterdessen plant Jacobsen schon das nächste Projekt in den Elbvororten.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Häcker übernimmt er das italienische Restaurant Ruperti an der gleichnamigen Straße in Nienstedten. „Wir planen ein Deli mit leckeren Bowls und Salaten. Und abends kann man dort dann auch auf einen Wein einkehren und einen Snack nehmen.“ Klar, dass Obst und Gemüse direkt von der hauseigenen Farm geliefert werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Gastronomie