Gastronomie

Rezept: Genussexperte Gerd Rindchen kocht Bohnen

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Gerd Rindchen
Gerd Rindchen, Genussexperte und ehemaliger Betreiber von Rindchen‘s Weinkontor.

Gerd Rindchen, Genussexperte und ehemaliger Betreiber von Rindchen‘s Weinkontor.

Foto: Bertold Fabricius

Bohnen klingen langweilig? Nicht in dem leckeren Bohnensalat von Gerd Rinchen. Die Hülsenfrüchte sind außerdem gesund.

Hamburg. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle ja ein wenig in Erinnerungen gekramt und der fernen Zeiten gedacht, als es sogenannte „Partys“ gab. Bei diesen privaten Zusammenkünften von Menschen verschiedener Haushalte waren nicht nur die unlängst erwähnten Mini-Hackbällchen ein begehrtes Mitbringsel, sondern ebenso Salate – auch wenn nicht alle lecker und so robust waren, dass sie nicht schon zum Abendbeginn matschig und welk in sich zusammenfielen.

Ein hehres Beispiel großer Robustheit – verbunden mit Haltbarkeit über mehrere Tage, ja sogar häufig durchziehungsbedingt vergrößertem Wohlgeschmack nach 24 bis 48 Stunden – sind Salate aus Bohnen. Ohnehin genießt die gemeine Bohne, ob weiß, ob grün, ob rot, ob schwarz, ob frisch oder getrocknet, unter Ernährungswissenschaftlern und -innen höchstes Ansehen: Der menschliche Organismus ist eigentlich auf einen hohen Nahrungsanteil von Hülsenfrüchten ausgelegt und wird von diesen großherzig mit Ballaststoffen, Mineralien und hochwertigem Eiweiß versorgt.

Umweltfreundliche Zubereitung der Bohnensalate

Um Bohnensalate perfekt und überdies umweltfreundlich, also äußerst wenig energieintensiv zuzubereiten, empfiehlt sich das Hantieren mit einer sogenannten Kochkiste: Das kann jeglicher Behälter sein, der gut isoliert, wie z. B. Ihre Kühlbox, die Sie im Sommer nutzen, um kalte Getränke am Strand oder beim Picknick zu genießen. Oder auch eine simple Styroporbox zum Warmhalten von Lebensmitteln. Und so kommen Sie zu Ihrem perfekten Bohnensalat:

Als Erstes planen Sie drei Tage Vorlauf ein – aber keine Sorge, die müssen Sie nicht Vollzeit am heimischen Herd verbringen. Am ersten Abend schütten Sie Ihre getrockneten weißen, roten, schwarzen oder dekorativ gefleckten Bohnen in einen Topf, in dem sie mit kaltem Wasser bedeckt werden, und lassen sie über Nacht einweichen. Am nächsten Tag, gern gen Abend, lassen Sie Ihre Bohnen im Wasser kurz aufkochen, nehmen dann sogleich den Topf vom Herd und packen einen passenden Deckel drauf. Den stellen Sie in Ihre Kühl- oder Styroporbox und polstern diese mit allem aus, was nicht schreiend wegläuft und zur zusätzlichen Isolierung dienen kann: Frotteehandtücher, betagte Kleidungsstücke oder Bettwäsche eignen sich besonders gut.

Bohnen müssen über Nacht durchgaren

Nun lassen Sie den Topf mit den Bohnen wiederum über Nacht gut eingemummelt in seiner eigenen Restwärme sanft durchgaren – wenn Sie ihn am nächsten Tag auspacken und den Deckel lupfen, werden Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit perfekt gegarte Bohnen vorfinden. Tipp: Wenn Sie statt eines großen mehrere kleine Töpfe nehmen, können Sie auch verschiedenfarbige Bohnen gleichzeitig garen – das macht Ihren späteren Salat schon rein optisch abwechslungsreicher.

Ob bunt oder monochrom: Erst salzen Sie Ihre Bohnen nicht zu sparsam, geben einen ordentlichen Schwung Essig dazu (ich empfehle wärmstens den eleganten, tiefgründigen, gar nicht mal teuren Sherryessig) und lassen beides einwirken. Jetzt beginnt der kreative Teil: Nachgerade unabdingbar sind bunte Paprikaschoten (wenn Sie nur eine Farbe auswählen: Gelb oder Rot) und etwas Stangensellerie, die Sie in kleine Würfelchen schneiden, sowie nicht zu sparsam verwandt die köstlichen Schalotten, mit denen Sie, geschält und entkeimt, ebenso verfahren. Wenn Sie jetzt mit Pfeffer abschmecken, ein gerüttelt Maß frische, in Streifen geschnittene Basilikumblätter dazugeben und final alles mit gutem, kalt gepresstem Olivenöl vermengen, ist Ihr Basis-Bohnensalat schon mal fertig. Geviertelte Kirschtomaten on top schaden auch nicht.

Dosenthunfisch ergänzt Bohnensalat gut

Eine schöne Variante ist Bohnensalat mit selbst erworbenem Dosenthunfisch: Sie gießen einen Teil des Öls ab, zerteilen den Fisch mit der Gabel in kleinere Stücke und mengen das Ganze unter Ihren Salat. Bei Dosen- oder Glasthunfisch gibt es immense Preisunterschiede und unfassbar teure High-End-Qualitäten.

Aber, mal ehrlich: Im Salat tut es auch der ordentliche Normale aus dem Supermarkt oder dem Discount­laden ums Eck. Feurig wird die Variante: „Bohnensalat Olé“: Dafür lassen Sie fein geschnittene Zwiebeln in etwas Olivenöl kurz anschwitzen, geben gewürfelte scharfe Chorizo in die Pfanne, braten beides gemeinsam kurz an, würzen mit reichlich scharfem Rosenpaprika oder (noch viel besser) Piment d´Espelette und vermengen alles mit dem Salat.

Bohnensalat als Beilage zu Fisch oder Fleisch

Selbstredend eignet sich Bohnensalat, vor allem die Basisvariante, auch vorzüglich als Beilage zu Fisch oder Fleisch und für sogenannte „Grillabende“: Das sind (man erinnert sich) Abende, an denen die Außentemperaturen so hoch sind, dass man sich gerne im Freien aufhält und dort auf einem Gas-, Holz- oder Kohlefeuer Mahlzeiten zubereitet.

Und was gibt´s zu trinken? Der geschmacksstarke Bohnensalat liebt als Begleitung herzhafte, der Verdauung dienliche Weine: knackigen Riesling, würzigen Grünen Veltliner oder kernigen, aufrechten Bardolino Classico oder Valpolicella. Wenn ein bisschen mexikanisches Feeling aufkommen soll (bietet sich bei Bohnen ja an), tut´s auch Corona – aber bitte als Bier.

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