Elbphilharmonie

So will "The Westin" mehr Gäste aus Hamburg gewinnen

Hotelchefin Madeleine Marx in den neu gestalteten Räumen des The Westin in der Elbphilharmonie. Im Hintergrund ist der Turm des Michel zu sehen.

Hotelchefin Madeleine Marx in den neu gestalteten Räumen des The Westin in der Elbphilharmonie. Im Hintergrund ist der Turm des Michel zu sehen.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Londoner Architekten haben die Plaza-Ebene des Luxushotels millionenschwer umgestaltet. Auch das Gastronomie-Konzept ist völlig neu.

Hamburg. Die Elbphilharmonie ist das wohl bekannteste Bauwerk der Hansestadt. Aber dass sie nicht nur ein Konzerthaus, sondern auch ein Luxushotel beherbergt, wissen viele nicht. Auf das The Westin Hamburg weist über dem Eingang nur ein schlichtes Schild hin. So richtig in die Herzen der Hamburger konnte sich die Nobelherberge in den vier Jahren seit der Eröffnung nicht spielen.

Aber jetzt erfindet sich das The Westin neu. „Wir sind ein weltoffenes Haus, und wir würden uns freuen, wenn wir noch mehr Hamburger für unsere vielfältige Gastronomie gewinnen könnten. Bei uns braucht man keine Schwellenangst zu haben. Wir sehen uns nicht als klassisches Luxushotel, sondern bei uns soll man sich einfach nur wohlfühlen und eine kleine Auszeit genießen“, sagt Madeleine Marx. Die Direktorin, die das Haus seit zwei Jahren führt, empfängt das Abendblatt zum Ortstermin auf der Plaza-Ebene in der achten Etage. Die wurde von dem Londoner Architektenduo Muza Lab neu gestaltet.

"Blick": Der neue Gastro-Name ist Programm

Die Frischzellenkur hat einen „einstelligen Millionenbetrag“ gekostet. „Wir haben in der zweimonatigen Corona-Zwangspause die Modernisierung gestartet, und jetzt erstrahlt unsere achte Etage in einem völlig neuen Gewand“, sagt Marx.

Auch ein Name, der für das gesamte Gastronomiekonzept auf dieser Ebene steht, wurde kreiert: Blick – und der ist beeindruckend: Denn wer hier in 37 Meter Höhe Platz nimmt, dem liegen die HafenCity und die Elbe zu Füßen. Beim Betreten der Lobby fällt die frei stehende Champagnerbar aus hellem Marmor mit aufwendiger Goldverzierung ins Auge. Mit dem Glas in der Hand, können die Gäste in Sesseln und auf den Sofas Platz nehmen, die farblich bunt gemixt und von vielen Grünpflanzen umgeben sind. „Wir wollen Wohnzimmeratmosphäre vermitteln. Von hier kann man entspannt den Trubel auf der Plaza der Elbphilharmonie verfolgen“, sagt Marx.

Gin- und Whiskey-Verkostungen im Westin

Neben der Rezeption wurde eine Coffeebar im Industriedesign eingerichtet. Hier gibt es nicht nur Kaffee und Tee, sondern auch Sandwiches und Törtchen. Nun führt Madeleine Marx in die Bar. Hier ist Sreyas Rao der Chef. Der gebürtige Inder war zuvor im Luxushotel Ritz-Carlton in Wolfsburg tätig. Passend zum Konzerthaus, hat sich Rao Cocktailkreationen einfallen lassen, die „Ensemble“ oder „Melodie“ heißen. Auch Gin- und Whiskey-Verkostungen werden angeboten.

Wer sich für den hinteren Bereich der Bar entscheidet, der kann durch die bodentiefen Fenster die vorbeiziehenden Containerschiffe beobachten. Die Gäste nehmen hier nach der Neugestaltung auf marineblauen Stühlen und pe­trolfarbenen mit Samt bezogenen Sitzbänken an Marmortischen Platz. „Wir bieten hier nicht nur Drinks an, sondern von 12 Uhr an eine kleine, aber feine Speisekarte“, sagt Marx. Einer der Renner sei das Büsumer-Krabben-Brioche mit Apfelcreme und Staudensellerie-Chutney. Auf der Speisekarte sind auch diverse Bowls, Burger, Avocado Panini oder Linguine mit Trüffeln zu finden. Nachmittags wird ein Afternoon Tee serviert – neben Scones mit Clotted Cream und Sandwich-Variationen können die Gäste bei dieser Gelegenheit auch die hausgemachte Apfel-Whiskey-Marmelade probieren.

Sicherheitskräfte gehören der Vergangenheit an

Neu ist auch die VIP-Lounge „Blickfang“. Hier können sich kleine Gruppen zum Tagen oder Feiern treffen. Sie schauen dabei auf die Speicherstadt.

Seit Madeleine Marx vor zwei Jahren die Führung des Hauses mit 205 Zimmern und 39 Suiten übernommen hat, hat sich einiges geändert. Damals, nach der Eröffnung im November 2016, standen Sicherheitskräfte vor dem Eingang, der von der Plaza der Elbphilharmonie in das Hotel führt, und wiesen Gäste ohne Reservierung ab. Doch das ist Vergangenheit. „Wir wollen eben nicht nur ein Hotel sein, sondern ein Ort, an dem alle zusammenkommen. Die Gäste aus dem In- und Ausland, die Konzertbesucher und die Hamburger, die sich mit Freunden zum Essen oder auf eine Flasche Wein treffen wollen.“

Regionale Lieferanten für die Gastronomie

Auch das Team hat Hotelchefin Marx neu aufgestellt. So ist Axel Eichhorst vom Marriott an der ABC-Straße in das Westin gewechselt und für die Gas­tronomie und den Tagungsbereich verantwortlich. Außerdem wurde vor gut einem Jahr Sebastian Michels als Küchenchef verpflichtet. Mit ihm wurden auch die Ausrichtung, die Speisekarte und der Name des Restaurants in der siebten Etage geändert. Das heißt inzwischen „Fang & Feld“. Michels setzt vor allem auf „regionale Küche. Wir haben viele Lieferanten aus der Umgebung.“ Auf der Karte ist Husumer Roastbeef mit Biobuchenpilzen ebenso zu finden wie Filet vom Strömling mit Apfel aus dem Alten Land und Rinderfilet aus Schleswig-Holstein.

Für die Zeit nach Corona hat sich Marx etwas vorgenommen. In der Lobby soll ab und an mal ein DJ Musik machen. Aber bevor Missverständnisse aufkommen – damit möchte die Westin-Chefin der Elbphilharmonie keine Konkurrenz machen.