Theater-Tipp

Shakespeare im Pop-Gewand am Thalia Theater

Unbedingt hingehen und ansehen: Birte Schnöink als Julia und Mirco Kreibich als Romeo in Jette Steckels preisgekrönter Inszenierung.

Unbedingt hingehen und ansehen: Birte Schnöink als Julia und Mirco Kreibich als Romeo in Jette Steckels preisgekrönter Inszenierung.

Foto: Ulrich Perrey / dpa

William Shakespeares Klassiker „Romeo und Julia“ zählt ohne Frage zu den beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Theaterstücken weltweit. Jette Steckels glamouröse Pop-Märchen-Version „Die Tragödie von Romeo und Julia“, die heute erneut im Thalia Theater zu sehen ist, spricht insbesondere junge Zuschauer an – aber nicht nur die.

In den Hauptrollen glänzen die feinnervige Birte Schnöink und der drahtige Mirco Kreibich als Liebespaar, das mit dem Erwachsenwerden genauso ringt wie mit der Last ihrer verfeindeten Familien. Steckel stellt in ihrer energiegeladenen Inszenierung, für die sie auch den „Faust“-Preis in der Kategorie Regie erhielt, die Passion der Jugend der Kraft der De­struktion gegenüber. Die Inszenierung vervielfältigt ihre Hauptfiguren, die unglücklich Liebenden aus den verfeindeten Familien Montague und Capulet, gleich mehrfach. Als musikalische Wiedergänger treten Selig-Sänger Jan Plewka und die famose Theatermusikerin Friederike Bernhardt auf – letztere glänzt aktuell auch in Steckels „Medea und Jason“-Aufführung.

Hinzu kommen 20 weitere Julia- Darstellerinnen und 20 Romeo-Darsteller, die der Geschichte, die sich ansonsten auf weitgehend leerer Bühne vor einem Lichterketten-Vorhang abspielt, auch eine starke Bühnenpräsenz geben. Auch die Nebenrollen sind grandios besetzt. Mit Karin Neuhäuser als zynischer Amme, Oda Thormeyer als Lady Capulet sowie Julian Greis und Pascal Houdus als komödiantisches Slapstick-Duo Mercutio und Benvolio.

Steckels Version landet mitten in der Pubertät, gleichwohl müssen ihre Liebenden über dreieinhalb Stunden jäh erwachsen werden. Denn die gesellschaftlichen Grenzen sind übermächtig, am Ende bleibt nur der gemeinsame Liebestod. Steckel vertraut eher der Wirkungsmacht der Bilder als der Neuübersetzung des Textes durch ihren Vater, den Regisseur Frank-Patrick Steckel. Die Inszenierung kommt in Teilen ohne Verse aus und ist gespickt mit Alltagssprech.

Der Abend zählt zu den zeitlosesten Inszenierungen im aktuellen Thalia-Spielplan. Prädikat: unbedingt hingehen.

„Die Tragödie von Romeo und Julia“ Di 11.12., 19.30 Uhr, Thalia Theater (U/S Jungfernstieg), Alstertor, Karten zu 10 bis 52 Euro unter T. 32 81 44 44

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