Ausstellungs-Tipp

Neuer Blick auf die Biennale 1968 in Altona-Nord

Die Bronze „VierFiguren-Gruppe (Paris)“, die der Bildhauer Gustav Seitz 1962 schuf, ist auch in der Ausstellung der Galerie St. Gertrude zu sehen.

Die Bronze „VierFiguren-Gruppe (Paris)“, die der Bildhauer Gustav Seitz 1962 schuf, ist auch in der Ausstellung der Galerie St. Gertrude zu sehen.

Foto: Galerie St. Gertrude

Ausgerechnet im Jahr 1968 das Programm des deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig zu gestalten war hochbrisant. Politisch wie künstlerisch innovativ sollte es sein. Die Künstler aus Norddeutschland, die Alfred Hentzen, der damalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, dafür auswählte, wurden von Kritikern als konservativ bewertet – zu der Zeit ein vernichtendes Urteil. Und aus heutiger Sicht unverständlich. Denn das künstlerische Werk von Gustav Seitz, Richard Oelze und Horst Janssen setzt sich durchaus kritisch mit den gesellschaftlichen Themen Vergangenheitsbewältigung, Liebe, Sexualität und Gewalt auseinander.

50 Jahre später präsentiert die Galerie St. Gertrude in Altona eine Auswahl der Arbeiten, die auf der „Biennale di Venezia 1968“ ausgestellt wurden: Bronze-Skulpturen und -reliefs des Bildhauers Seitz, Ölbilder und Zeichnungen von Oelze sowie Zeichnungen und Radierungen von Janssen. Letzterer wurde für seine Arbeiten dann doch mit dem Großen Preis der Grafik ausgezeichnet. Ergänzt wird die Schau um weitere Arbeiten der drei aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Sie ermöglicht Besuchern so einen neuen Blick auf die damalige 34. Biennale: „Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die umstrittene Auswahl des deutschen Beitrags nochmals zur Diskussion zu stellen und einen aktuellen Dialog zu eröffnen“, sagt Galeristin Sabrina Lemcke, die die Schau mit Katharina Schulze kuratiert hat. „Anhand von Exponaten, originalen Presse-Ausschnitten und Biennale-Katalogen soll die damalige Zeit lebendig und das Jubiläum von Horst Janssens Biennale-Ehrung entsprechend gewürdigt werden.“

Ausgangspunkt der Ausstellung ist Horst Janssen: Die Galerie, die 1984 von Dierk Lemcke gegründet wurde und sich intensiv mit den Themen Tod und Vergänglichkeit beschäftigt, leistete bis vor einigen Jahren exklusiv Vermittlungsarbeit für den 1995 gestorbenen Künstler. Im angegliederten Verlag erschienen von ihm mehr als 200 Bücher und Grafik-Editionen.

„Biennale di Venezia 1968“ bis 21.12., Galerie St. Gertrude (Bus 15, 20, 25), Goldbachstraße 9, dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonnabends 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei