Show-Tipp

Les trois Pompadours: Frauensache(n) im Tivoli

| Lesedauer: 3 Minuten
Stefan Reckziegel
Mehr als nur ein Hingucker: Dörthe Thiel (M.) singt und tanzt mit ihren Kolleginnen Yvonne Disqué (l.) und Diana Böge im Tivoli erneut als Les trois ­Pompadours.

Mehr als nur ein Hingucker: Dörthe Thiel (M.) singt und tanzt mit ihren Kolleginnen Yvonne Disqué (l.) und Diana Böge im Tivoli erneut als Les trois ­Pompadours.

Foto: MORRIS MAC MATZEN / Schmidts Tivoli/Morris Mac Matze

Alle drei lieben die große Bühne, doch an diesem Nachmittag ist von Glanz noch wenig zu sehen. Diana Böge, Yvonne Disqué und Dörthe Thiel haben die Arbeit inmitten von Kulissenteilen im ehemaligen Theater N.N. in Eimsbüttel beendet und sich in Alltagsklamotten geworfen. Probenpause.

Spätestens vom heutigen 22. November an wollen die drei ausgebildeten Musical-Darstellerinnen jedoch wieder Glamour im Schmidts Tivoli verbreiten. So wie es ihnen als Les trois Pompadours schon 2016 und 2017 bei „Pompös“ gelungen war. Beim „großen Winterspektakel“ hatte das „Heiße Ecke“-erfahrene Trio stimmlich, tänzerisch und optisch zur Musik des Original-Tivoli-Orchesters in seinen (auf)reizenden Kostümen nicht nur die Männer – ob hetero oder homo – im Saal erwärmt.

Nun sitzt Dörthe Thiel beim Milchkaffee (mit Soja) und einem Toast im portugiesischen Café gleich neben der Probebühne. Seit 2004 ist sie am Tivoli engagiert, hat zwischendurch auch andernorts neue Rollen gespielt. Die der renitenten Performance-Künstlerin Maureen im rockigen Off-Broadway-Musical „Rent“, 2013/14 im Gruenspan empfindet sie als sehr wichtig: „Ich war mir vorher nicht sicher, dass ich das kann“, erzählt die 1,80-Meter-Frau mit den markanten kurzen Haaren und den wachen blauen Augen. „Doch ,Rent‘ war eine wegweisende Arbeit für mich.“ Trotz der Probenbedingungen. „Dagegen ist das hier Luxus“, sagt sie lächelnd mit Blick in Richtung des früheren Theaters N.N.

Auch im Tivoli haben Thiel, Disqué und Böge noch zu proben: Außer in vier Kostümwechseln und in neuen Choreografien liegt der Reiz ihrer Auftritte darin, dass sie die Akrobaten bei der Show aus Musik, Comedy und Artistik mit Livegesang hautnah auf der Bühne begleiten. Etwa die Kraftpakete 3 DCLS mit einem Jan-Delay-Medley. Auch eine Ballade zählt zu Thiels Repertoire.

Die Musik hat Nik Breidenbach (48) ausgewählt. Der kreative Schmidt-Publikumsliebling („Cavequeen“, „Oh Alpenglühn”) hatte beim Regie-Debüt 2016 für „Pompös“ die bahnbrechende Idee, die drei Darstellerinnen in die Artistik-Nummern zu integrieren.

Genau jener Breidenbach klopft jetzt an die Scheibe des Cafés – der Regisseur möchte noch was besprechen. Dass er zugleich ihr großer, neun Jahre älterer Bruder ist, sieht Dörthe Thiel sogar als Vorteil: „Er kann mit mir ehrlich sein, auch wenn ich es nicht gern hören will“, meint sie. „Er sagt das ja, um mir zu helfen.“ Und so gerät „Pompös“, diesmal moderiert von Travestie-Star Elke Winter, nicht nur zur Frauen-, sondern erneut zur Familiensache.

„Pompös – Das große Winterspektakel“ Premiere Do 22.11., 20 Uhr, bis 6.1.2019, Schmidts Tivoli (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 27–28, Karten ab 31,50 Euro unter T. 31 77 88 99