Ausstellungs-Tipp

Werke zwölf südafrikanischer Künstler in der ABC-Straße

Corné Eksteens Porträts zum Thema Identitätskrise wirken wie an Andy Warhols Pop Art angelehnt

Corné Eksteens Porträts zum Thema Identitätskrise wirken wie an Andy Warhols Pop Art angelehnt

Foto: Corne Eksteen

Vor allem Weinliebhaber und Wanderer schätzen Südafrika als Reiseziel. Dass man dort auch eine Vielzahl bemerkenswerter Kunstwerke entdecken kann, beweist eine Wanderausstellung der Künstlerinitiative The Travelling Art Gallery, die nach ihrer ersten Station in Hildesheim nun in Hamburg zu Besuch ist.

Die zwölf darin vertretenen zeitgenössischen Künstler aus ganz Südafrika sind erstmals im Rahmen dreier Pop-Up-Ausstellungen in Deutschland zu sehen. Die Sprecherin der Künstlerinitiative, Barbara Lenhard, möchte die Künstler mit der Ausstellung über die Grenzen Südafrikas hinaus bekannt machen und für Südafrika als vielseitigen Kulturstandort werben.

Erwähnenswert sind vor allem die Künstlerinnen

Unter den zwölf Künstlern stechen drei besonders ins Auge, interessanterweise alle weiblich. Susan Proctor Hume verarbeitet ihre Autoimmunerkrankung durch Ölmalerei in Pastelltönen und bringt den Betrachter damit zum Grübeln. Vor allem, wenn man ihre Darstellung Donald Trumps entdeckt, die den US-Präsidenten als Heiland zeigt. Laut Künstlerin entspricht das seinem Selbstbild. Michaela Rinaldi beschäftigt sich dagegen mit der weiblichen Form durch Akte in unterschiedlichsten Posen auf abstrakt-figurativen Bildern. Die großformatigen, lebhaft-leidenschaftlichen Acrylgemälde auf Leinwand sind Ausdruck ihrer persönlichen Geschichte als zweifach geschiedene Mutter. Sie rufen durch intensive Farbsymbolik eindringliche Assoziationen, gerade zu Konzepten der Weiblichkeit, hervor. Corné Theron spielt auch mit Farben, bleibt aber im kühlen Spektrum, anders als Proctor Hume und Rinaldi, die viel mit Kontrasten kalter und warmer Farben arbeiten. Therons Werke erinnern farblich und thematisch an David Hockneys Swimmingpool-Bilder, zeigen die Schwimmer allerdings verpixelt. Die Abgrenzung der Farben soll die Individualität der Abgebildeten spiegeln.

Die vertretenen Kunstschaffenden arbeiten mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen, Genres sowie Materialien und Techniken. Sie malen etwa in Öl und Acryl und zeichnen mit Kohle, Rinaldi kratzt hier und da auch menschliche Formen in frische Acrylfarbe. Manche nutzen klassische Leinwände, andere Papier, andere alles zusammen. So bastelt Edward Selematsela etwa aus zusammen- und übereinandergeklebten Zeitungsschnipseln romantische Szenen, und Lebohang Sithole fertigt bunte Kaltnadelradierungen an. Andrew Ntshabele wiederum nutzt statt Leinwänden Stoffe für seine Ölgemälde. Diese stilistisch sehr unterschiedlichen Werke sind bis 8. Juli in der ABC-Straße zu sehen und zu erwerben, bevor die Travelling Art Gallery nach Ludwigshafen weiterreist.

The Travelling Art Gallery bis So 8.7., täglich 11 bis 18 Uhr, außer So 8.7., 11 bis 15 Uhr, abc.cube, ABC-Straße 15, Eintritt frei

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