Ausstellung

Ins Stammbuch geschrieben

Die Staatsbibliothek zeigt Freundschaftsbücher des 16 bis 20. Jahrhunderts

Ausstellung. Wenn man jemandem ein paar Zeilen „ins Stammbuch schreibt“, möchte man ihm etwas mit besonderem Nachdruck sagen. Das erklärt den Titel der Ausstellung, „Vergiß mein nicht“, die zurzeit in der Staats- und Universitätsbibliothek gezeigt wird. Dort sind Stammbücher und Freundschaftsalben, sogenannte Alba Amicorum, des 16. bis 20. Jahrhunderts zu sehen. Insgesamt rund 50 Exponate – Bücher und Porträts – sind im Ausstellungsraum der Bibliothek ausgestellt.

Im 16. Jahrhundert waren es vor allem junge (männliche) Akademiker, die sich solche Bücher zulegten, sie mitnahmen an die damals angesagten Universitäten wie Wittenberg, Ingolstadt, Halle, Jena oder Göttingen. Dort ließen sie dann ihre Kommilitonen und Professoren die Seiten füllen, erzählt Antje Theise von der Staatsbibliothek, die die ­Ausstellung kuratiert hat. Die Exponate stammen aus den Sondersammlungen der Stabi und wurden durch ­Alben aus dem Museum für Hamburgische Geschichte ergänzt.

Erst später kamen demnach junge Frauen dazu, auch solche Bücher zu führen. Angesehene Hamburger Familien wie die Albertis, Götzes oder von Axens besaßen solche Alben und ließen bekannte Gäste wie Friedrich Gottlieb Klopstock, Matthias Claudius oder ­Johann Heinrich Voß sich darin verewigen. In der Zeit der Aufklärung – Hamburg war eine Hochburg – kamen immer mehr private Kreise dazu.

Und was findet man in diesen Büchern? Einfache Freundschaftssprüche, Zitate griechischer Autoren, großer Reformatoren, Philosophen und Literaten. Manche haben ihre Einträge auch mit Zeichnungen, kleinen Malereien, sogar Stickereien ergänzt. „Man erfährt etwas über Schicksale und lernt ganze Netzwerke kennen. Es ist manchmal erstaunlich, wer wen kannte“, findet Theis.

Einige Besucher der Ausstellung hätten sich darüber verwundert gezeigt, dass einige der Bücher, die sozusagen historische Facebook-Vorläufer sind, ziemlich schmuddelig aussähen. Theis wundert das nicht. „Sie wurden eben überall mit hingenommen. Wir sammeln diese Alben, weil sie Ausdruck von Kultur und Gesellschaft in unserer Stadt sind.“

„Vergiß mein nicht“ bis 12.8., Mo–Fr 9.00– 24.00; Sa, So 10.00–24.00, Staatsbibliothek (Bus 4, 5), Von-Melle-Park 3, Eintritt frei

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