Ausstellungs-Tipp

Anke de Vries gibt Geflüchteten ein Gesicht

Mino sagt:„Ich fühle mich geliebt und gebe die Liebe vorurteilsfrei weiter.“

Mino sagt:„Ich fühle mich geliebt und gebe die Liebe vorurteilsfrei weiter.“

Foto: Anke de Vries

Geflüchteten Menschen ein Gesicht geben, das ist der Antrieb für Anke de Vries. Die Künstlerin aus Hamburg zeigt aktuell ihre Ausstellung „Nicht vom Brot allein“ im Auswanderermuseum BallinStadt. 24 Aquarell-Porträts, jedes versehen mit Vornamen, Herkunftsland und einem Kernzitat der porträtierten Person, präsentiert das Museum in einem offenen Raum auf einzelnen Staffeleien.

Ein gemeinsamer Entstehungsprozess der Bilderreihe lag der Künstlerin sehr am Herzen, in mehreren Treffen mit den Porträtierten sprachen sie über Fluchturaschen, Lebensgeschichten, Ängste, Hoffnungen oder die soziale und politische Situation in der Heimat. Es entstanden Fotos, die als Grundlage der Aquarelle dienten und in enger Zusammenarbeit mit den Geflüchteten ausgewählt und besprochen wurden. Sie sehe die Menschen nicht als Model, sondern Individuum, sagt de Vries. Die Porträts sollen nicht nur Äußeres, sondern ebenso Inneres, ihre Gedanken, darstellen.

De Vries zeigt auch eine geflüchtete Deutsche

Eine Auflistung der auf den Por­träts geschriebenen Herkunftsländer ist lang und bunt gemischt: Von der Türkei über Somalia bis nach Sri Lanka sind es insgesamt zwölf verschiedene. Genauso unterscheiden sich die Gesichter und ihre Zitate voneinander. Das Por­trät von Fatma (Foto), einer türkischen Kurdin, zeigt das Zitat: „Ich muss meine Herkunft akzeptieren, weil ich sonst meine neue Identität auch nicht leben könnte. Dann wäre ich gesichtslos“. Das Gefühl nirgendwo willkommen zu sein, tiefe Dankbarkeit oder Heimweh sind Einblicke in die Gefühlswelten der Porträtierten.

Während ihrer Wanderausstellung ist de Vries häufig von älteren Deutschen mit eigener Fluchtgeschichte angesprochen worden. Aus diesem Grund zeigt die Reihe in der BallinStadt auch das Porträt von Mechthild, einer im Zweiten Weltkrieg geflüchteten Deutschen. Ihr Zitat erzählt von selbst erfahrener Ablehnung als Geflüchtete und appelliert daran, zu erinnern und heutige Geflüchtete mit offenen Armen aufzunehmen.

Ihren Beitrag dazu leistet Anke De Vries mit der Bilderreihe bis zum vierten März im Auswanderermuseum BallinStadt. Am 27. Februar liest der ebenfalls porträtierte Umeswaran Arunagirinathan au Sri Lanka (Foto), im Rahmen der Ausstellung im Auswanderermuseum aus seinem Buch „Der fremde Deutsche“.

„Nicht vom Brot allein“ bis zum 4.3., Auswanderermuseum BallinStadt, Veddeler Bogen 2, täglich 10 bis 16.30 Uhr, Eintritt frei