Kino-Tipp

Das Schauspielhaus zeigt die Doku „Reise in den Herbst"

Rote Fahnen und Plakate: Demonstranten ziehen gegen die Mietpreisexplosion durch die Straßen Frankfurts am Main

Foto: neue Wut / Martin Keßler Filmproduktion

Rote Fahnen und Plakate: Demonstranten ziehen gegen die Mietpreisexplosion durch die Straßen Frankfurts am Main Foto: neue Wut / Martin Keßler Filmproduktion

Eigentlich wird im Schauspielhaus Theater gespielt, aber an diesem Mittwoch wird es ausnahmsweise mal zum Lichtspielhaus. Regisseur Martin Keßler kommt und bringt seinen 140 Minuten langen Dokumentarfilm „Reise in den Herbst“ mit, den er im vergangenen Jahr gedreht hat.

Er ist dafür in der Bundesrepublik auf Spurensuche gegangen. Zwei Ereignisse haben den Film ausgelöst: die Präsidentschaft Donald Trumps, dessen Antrittsrede mit Bildern von malerischen Rheinlandschaften unterlegt ist, und das Europatreffen der Rechtsnationalisten in Koblenz, bei dem Frauke Petry, Geert Wilders und Marine Le Pen aufeinandertrafen. Während Trump pathetisch sein „America first“ deklamiert und sich als Ankündigungs-Weltmeister seiner angeblich kommenden politischen Wohltaten zeigt, hat Wilders Kreide gefressen, als er in Koblenz die Zuhörer fragt: „Hallo Deutschland. Geht’s euch gut?“

Genau um diese Frage geht es Keßler. „Alles wie gehabt oder Zeitenwende?“ heißt der Film im Untertitel. Man sieht aufmarschierende Polizeistaffeln, Wasserwerfer im Einsatz gegen Demonstranten. Dazu faselt AfD-Politiker Björn Höcke über das Holocaust-Stelenfeld in Berlin als angebliches „Denkmal der Schande“. Sein Parteifreund Alexander Gauland schwadroniert: „Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen, und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“

Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler mahnte bei seinem Vorjahresbesuch im Schauspielhaus und forderte eine „Veränderung der mörderischen kannibalistischen Weltordnung“.

Keßler war mit der Kamera bei der Beerdigung von Altkanzler Helmut Kohl dabei. „Der rheinische Kapitalismus, für den er stand, funktioniert heute nur noch in Teilen unserer Gesellschaft“, findet der Regisseur. „Eine Normalität ist so nicht mehr vorhanden, auch wenn die Politiker bei den ,Groko’-Verhandlungen so tun, als ob es so weiterlaufen könnte.“ Ausführlich widmet sich der Film auch den G-20-Protesten in Hamburg.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren Filmemacher Martin Keßler, Regisseur und Autor Falk Richter sowie der Autor Karl-Heinz Dellwo, ehemaliges RAF-Mitglied, mit dem Publikum.

„Reise in den Herbst“ Mi 14.2., 19.30 Uhr, Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Karten zu 15, ermäßigt 5 Euro unter T. 24 87 13

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