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Orgel-Wunder: Dieser Mann pfeift auf alle Konventionen

Cameron Carpenter an seiner digitalen „International Touring Organ“, die 2014 eigens für ihn von Marshall & Ogletree angefertigt wurde

Cameron Carpenter an seiner digitalen „International Touring Organ“, die 2014 eigens für ihn von Marshall & Ogletree angefertigt wurde

Foto: Gavin Evans - Sony Music Entertainment

Der Orgel im Großen Saal der Laeiszhalle dürfte der Schreck in die Pfeifen gefahren sein, als sie vom Gast an diesem Dienstag erfuhr: Cameron Carpenter. Ausgerechnet! Der Mann, dem der Ruf vorauseilt, Orgeln mit seinem Spiel ans Limit zu bringen und sie schon manches Mal nicht unbeschädigt hinterlassen zu haben.

Aber keine Sorge, der Echo-Klassik-Preisträger (Instrumentalist des Jahres 2015), derzeit Artist in Residence beim Berliner Konzerthausorchester am Gendarmenmarkt, bringt sein eigenes Instrument mit: Die „International Touring Organ“, eigens für ihn angefertigt von Marshall & Ogletree, ist zwar mehr Synthesizer als klassische Orgel, dafür kann sich der Exzentriker aber bei seinem Programm „Christmas With Cameron“ sorglos austoben. Zu hören sind unter anderem Bachs Choralvorspiel „In dulci jubilo“, Duprés Adventsmusik „Le monde dans l’attente du Sauveur“, Regers „Weihnachten“, Tschaikowkys Blumenwalzer und Weihnachtslieder wie „O du fröhliche“ und „Jingle Bells“.

Das ist fast schon ein hand- und fußzahmes Programm für den 1981 in Meadville, Pennsylvania geborenen ­Exzentriker, der sowohl optisch als auch spielerisch vielen Orgel-Puristen ein Dorn in Augen und Ohren ist. In ­bevorzugt schrillen Outfits und auf ­hohen Absatzschuhen verbindet er seine als Kind geweckten Leidenschaften: Orgelspiel und Tanz. In unfassbarem Tempo steppt Carpenter über die ­Pedale, während die Hände über die Mauale sausen und alle Register ziehen. Seine Arrangements und Bearbeitungen für Orgel, zum Beispiel von Mahlers 5. Sinfonie, gelten bei vielen Kritikern als radikal gelungen oder ­radikal effektheischend, aber in jedem Fall gekonnt. Carpenter selber, der einst in der Werkstatt seines Vaters, eines Ofenbauers, an der Hammond B3 begann, sieht es jedenfalls als seine Mission an, Orgeln zu „entstauben“, zu säkularisieren und mit Leidenschaft und Sex zum Instrument der Verlockung zu machen.

Übrigens: Am 27. Dezember gibt Mambo Kurt, König der Alleinunterhalter an der Heimorgel, sein traditionelles Konzert im Logo.

Cameron Carpenter – „Weihnachten mit Cameron“ Di 5.12., 19.30 Uhr, Laeiszhalle, Großer Saal, Johannes-Brahms-Platz, Karten ab 17,50 bis 51,50 Euro