Literatur-Tipps

Politik bestimmt das Schreiben von Gysi und Biermann

Wolf Biermann ist einer Tag vor seinem 81. Geburtstag Gast in Bergedorf

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Wolf Biermann ist einer Tag vor seinem 81. Geburtstag Gast in Bergedorf

Das Leben ist oft politisch, Literatur ist es häufig auch. Der Zufall will es, dass am heutigen Dienstag zwei Männer parallel in Hamburg sich und ihre Autobiografien präsentieren, die auf unterschiedliche Weise für deutsch-deutsche Geschichte stehen: Gregor Gysi und Wolf Biermann.

"Ein Leben ist zu wenig" heißt das Buch des gebürtigen (Ost-)Berliners Gysi. Darin schildert die redegewandte, zuweilen noch immer provokante Linken-Ikone, Sohn des DDR-Kulturministers Klaus Gysi, offen seine Zeit als Rechtsanwalt, Familienvater, Politiker und Autor. Eine Familiengeschichte, die von Russland bis nach Rhodesien und von Lenin bis zu Doris Lessing reicht - Gysi ist ein Neffe der Literatur-Nobelpreisträgerin. Aus seiner Autobiografie, zugleich ein Geschichtsbuch über Entwürfe und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts, liest Gysi in Auszügen auf Kampnagel.

War Gysi bis zu Wiedervereinigung 1990 DDR-Bürger (und seit 1967 SED-Mitglied), verkörpert Wolf Biermanns Leben wie kaum ein zweites das Hin und Her zwischen West und Ost, den Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Als 16-Jähriger ging er aus Hamburg in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt, dann fiel der Lyriker mit seinen Liedern in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot, wurde nach einem Konzert in Köln 1976 ausgebürgert – der Anfang vom Ende der DDR.

Biermann tritt zwar im Haus im Park auf, indes wird Schauspieler Burghart Klaußner aus seiner Autobiografie "Warte nicht auf bessre Zeiten!" (2016) lesen. Biermann wird im Gespräch lieber seine Anekdoten und Erinnerungen über Aus- und Abgrenzung sowie über die Macht der Poesie einbringen.

Von Ohnmacht und Verantwortung, von Vorurteilen und Macht erzählt auch Jodi Picoult in "Kleine große Schritte". Die US-Autorin schrieb 2007 mit "Nineteen Minutes", einem Roman über die Spurensuche nach den Ursachen eines Schüler-Amoklaufs in einer fiktiven US-Kleinstad, einen Bestseller. Ihr neues Buch erzählt von einer afroamerikanischen Hebamme, die Leben retten kann, es aber nicht darf. Themen sind Recht, Moral und Menschlichkeit, wenn es Picoult bei Heymann in Eimsbüttel vorstellt. Beate Rysopp liest den deutschen Text.

Gregor Gysi: "Ein Leben ist zu wenig"
Di 14.11., 19.30 Uhr Kampnagel K2, Jarrestraße 20, Restkarten zu 14, ermäßigt 10 Euro Wolf Biermann Di 14.11., 19 Uhr, Haus im Park, Gräpelweg 8, Anmeldung unter www.koerber-stiftung.de Jodi Picoult: Lesung und Gespräch Di 14.11., 20.30 Uhr, Buchhandlung Heymann, Osterstraße 134, Eintritt 14 Euro

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