Theater-Tipp

Zwischen Kino und Performance: Tanz im Resonanzraum

Das Bundesjugendballett bei einer Probe zu "Im Aufschwung IX"

Das Bundesjugendballett bei einer Probe zu "Im Aufschwung IX"

Foto: Kiran West

„Tanzt, tanzt sonst sind wir verloren“ untertitelte Wim Wenders 2011 seinen Dokumentarfilm „Pina“ über die 2009 verstorbene Jahrhundertchoreografin Pina Bausch. Eine Beschwörung, die trotz ihres Pathos einen unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Kunstform Tanz beinhaltete: „Sonst sind wir verloren“, so etwas sagt man nicht über hübsche, artistische, kulinarische Kunst, so etwas sagt man über etwas, das lebensnotwendig ist.

Die Hamburger Kinoinitiative Flexibles Flimmern bringt „Pina“ unter dem sympathisch hochtrabenden Titel „How To Pina Bausch“ zurück auf die Leinwand – heute und morgen ist Wenders’ mehr sinnliche als analytische Annäherung an Bauschs Kunst im Resonanzraum im Feldstraßenbunker zu sehen. Aber: Weil Tanz seinen Reiz nicht ganz ausspielen kann, solange es zweidimensional über die Leinwand flimmert, hat Wenders seinen Film in 3D gedreht. Was sich bei den beschränkten Mitteln im Resonanzraum nicht reproduzieren lässt. Dafür tanzt die südafrikanische, in Hamburg lebende Choreografin Jessica Nupen während der Filmvorführung – und stellt so die Verbindung zwischen Kino und Performance her, live und in 3D.

Wer zwar die „Tanzt, tanzt!“-Aufforderung hört, mit Tanztheater aber wenig anfangen kann, weil er es klassisch mag, für den feiert ebenfalls heute das Bundesjugendballett Premiere. Der Nachwuchs von John Neumeiers Hamburg Ballett hat für die neunte Ausgabe der „Im Aufschwung“-Reihe einige kurze Choreografien zusammengestellt, darunter mehrere Uraufführungen: Die Niederländerin Wubkje Kuindersma entwickelt ein Stück zu Strawinskys „Pulcinella Suite“, Edvin Revazov, im Hauptberuf Erster Solist bei Neumeier, choreografiert zu einer Auftragskomposition des Bratschisten Kellen McDaniel. Und auch wenn der Schwerpunkt auf klassischem Ballett liegt, wird der heutige Charakter des Abends nicht dem ästhetischen Konservatismus geopfert: Marc Jubete, Greg Blackmon und Yuka Oishi etwa choreografieren zu neu arrangierten Popsongs.

Wer will, kann „How To Pina Bausch“ und das Bundesjugendballett kombinieren, am einen Abend in den Resonanzraum gehen und am anderen ins Ernst Deutsch Theater. Und so den jahrzehntealten Streit zwischen Ballett und Tanztheater beilegen – indem er den Tanz als alle ästhetische Gräben überwindendes Fest versteht. Als Fest, das gefeiert werden muss, weil: „Sonst sind wir verloren“.

How To Pina Bausch 13./14.11., Mo/Di jeweils 20 Uhr, Resonanzraum, Feldstraße 66, Karten zu 16 Euro unter reservierungen@flexiblesflimmern.de

Im Aufschwung IX 13.,/14., 16./17.11., Mo/Di, Do/Fr jeweils 19.30 Uhr, Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, Karten 22 bis 39 Euro unter T.22 70 14 20

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