Literatur-Tipp

Oskar-Roehler-Abend im Abaton

Oskar Roehler (58) Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner und des Schriftstellers Klaus Roehler, provoziert bis heute gern mit seinen Werken

Oskar Roehler (58) Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner und des Schriftstellers Klaus Roehler, provoziert bis heute gern mit seinen Werken

Foto: Jörg Krauthöfer

Oskar Roehler ist Filmemacher. Er ist aber auch Schriftsteller. Und er ist ein Agent Provocateur. Er liebt es, Leute aus ihrer Bequemlichkeit aufzurütteln und in einen Unruhestand zu versetzen. Dass man das sowohl mit Texten als auch mit einem Film schaffen kann, will er am heutigen Dienstag im Abaton-Kino zeigen: Dort liest er aus seinem aktuellen Roman und führt in einen seiner Filme ein.

„Roman“ steht auf einer der Seiten, die Roehlers neuem Buch, das er wenig subtil „Selbstverfickung“ genannt hat, voranstehen. Am Ende seines Textes schreibt der Autor einen Absatz, der sich liest wie eine Entschuldigung. Darin finden sich Sätze wie „Diese Geschichte hat keine Handlung“, „Der Held in dieser Geschichte hat keine Entwicklung“, „Dieses ist ein Stück deutscher, depressiver Literatur, einen Innenschau, ein Stück Befindlichkeits-Literatur“. Aha.

Dass Roehler zu depressiven Weltsichten neigt, ist eines seiner Markenzeichen. Das hat er in Filmen wie „Der alte Affe Angst“, in Büchern wie „Herkunft“ oder „Mein Leben als Affenarsch“bewiesen. Trotzdem konnte sich das Kind zweier Literaten – Gisela Elsner und Klaus Roehler – immer einer gewissen Aufmerksamkeit sicher sein.

In seinem neuen Buch zeigt seine Lust an der Provokation. Gregor Samsa heißt sein Protagonist, wie der Held aus Kafkas „Die Verwandlung“. Hier ist er, ähnlich wie der Autor, ein fast 60 Jahre alter verkrachter Filmemacher mit leerem Kopf und vollem Bankkonto. Er bunkert Schlaftabletten, mit denen er sich umbringen will, lässt sich treiben, verbringt Zeit mit Prostituierten. Seine Gedanken sind voller Ausländerhass und Frauenfeindlichkeit.

Das Buch ist eine Abrechnung mit der Film- und Fernsehbranche, für die er nur noch Abfälliges übrig hat. Wer will, kann so manchen Protagonisten erkennen, wenn er von seinem gescheiterten Projekt erzählt, einer Fernsehserie, die aus der Sicht eines rechtsextremen Tampons erzählt wird, der seine Trägerin veranlasst, politisch dummes Zeug zu reden. Da scheint jemand nicht im Reinen mit sich selbst.

Dass man aus solch einem Konflikt auch positive Spannung gewinnen kann, hat Regisseur Roehler in „Die Unberührbare“ (2000) gezeigt: Der Mauerfall bringt die Schriftstellerin Hanna Flanders an den Rand des Selbstmords. Der Fall der DDR hat die drogen-und nikotinsüchtige Frau heimatlos gemacht. Roehler gewann für das eindringliche schwarz-weiße Porträt der Frau, die seiner Mutter ähnelt, auch den Deutschen Filmpreis.

Oskar-Roehler-Abend Lesung „Selbstverfickung“, Di 7.11,, 19 Uhr; Film „Die Unberührbare“, 20.45 Uhr, Abaton, Allende-Platz 3, Karten zu 8, ermäßigt 7,50 Euro