Konzert-Tipp

Luther – als Lesung und als Satire mit Rolf Becker

Rolf Becker (82), in den 1970er-Jahren durch den Kinofilm „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ bekannt geworden, glänzt auch als Vorleser

Rolf Becker (82), in den 1970er-Jahren durch den Kinofilm „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ bekannt geworden, glänzt auch als Vorleser

Foto: Marcelo Hernandez

Die Katholiken, vor allem die in Bayern, haben’s gut. Genießen sie doch Jahr für Jahr vier gesetzliche Feiertage mehr als die Hamburger. Selbst 2017, da sogar die Bajuwaren am 31. Oktober – wie die gesamte Republik – den Reformationstag feiern und auch in Hamburg frei ist, bleibt der Vorsprung (13:9) gewahrt.

Das 500. Jubiläum der Reformation hat eben für fast alle gute Seiten, inklusive der Künstler, die sich Luther widmen. Schon im Vorjahr hatte der große Hamburger Schauspieler Rolf Becker, seit 2005 Stammsprecher für den Silberfuchs-Verlag und die Reihe „Länder hören – Kulturen entdecken“, das Hörbuch „Martin Luther – Freiheit. Gnade. Mensch“ eingesprochen.

Autorin Corinna Hesse schlägt darin den Bogen von der Wendezeit zwischen Mittelalter und Neuzeit bis zur Gegenwart. Zwar war Luthers Denken seiner Zeit verhaftet, dennoch hat sein Wirken die demokratischen Werte Europas befördert: Freiheit, Gewissen, Toleranz, Trennung von Staat und Religion sind Ideen der Reformationszeit.

In diesem Jahr nun tourt Rolf Becker, einst Ensemblemitglied des Schauspielhauses und des Thalia Theaters sowie der „Hamburger Jedermann“, erstmals mit Luther. Für die Live-Aufführung von „Freiheit. Gnade. Mensch“ arbeitet Becker mit dem klassischen Schlagzeuger Stefan Weinzierl zusammen. Der Schauspiel-Star gibt im Jahr seines 60. Bühnenjubiläums dem charismatischen, zugleich provokativen Reformator (s)eine sonore Stimme, derweil Weinzierl das Geschehen dank Marimba- und Vibrafon sowie Percussion in ein raffiniertes Klangpanorama mit Zitaten aus reformatorischen Kirchenliedern verwandelt.

Nachdem Becker und Weinzierl mit ihrer Konzert-Lesung Mitte August auf Schloss Gottof eine ausverkaufte Premiere gefeiert hatten, spielen und lesen sie ihr Programm gleich dreimal in Hamburg. An diesem Sonnabend geht es in der St.-Nikolai -Kirche los.

Auf satirische Weise widmet sich am Sonntag Sebastian Schnoy dem großen Reformator. „Luther war ein Blogger“, behauptet der Kabarettist, hierzulande längst Spezialist für geschichtsträchtige Themen, nicht ganz ernst gemeint am Wahlabend. Eine der lachhaften Thesen des Hamburger History-Spötters im Lustspielhaus lautet: „Dieses Kabarettprogramm ist auch für Katholiken ein Heidenspaß.“

„Martin Luther – Freiheit. Gnade. Mensch.“ HH-Premiere Sa 23.9., 19 Uhr, Hauptkirche St. Nikolai, Harvestehuder Weg 118, Karten zu 11 bis 22 Euro im Vorverkauf und an der Abendkasse, auch Fr 13.10., 19.30 Uhr, Meßmer Momentum, Karten: 15 Euro im Vorverkauf, So 29.10., 11 Uhr, Speicher am Kaufhauskanal, Karten: 21 Euro im Vorverkauf „Luther war ein Blogger“ So 24.9., 19 Uhr, Lustspielhaus, Ludolfstraße 53, Karten zu 12, (ermäßigt) bis 27 Euro unter T. 55 56 55 56; www.almahopp.de