Kino

Wenn Bauern von Bananen träumen

Eine Hamburger Dokumentarfilmerin porträtiert ein niedersächsisches Dorf. Heute ist Premiere im Abaton

Kino. Das Prinzip heißt in Anlehnung an die „Asterix“-Comics: gallisches Dorf. Menschen können ziemlich einfallsreich werden, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, auch wenn um sie herum schon alles ganz anders läuft. Das zeigt der Film „Von Bananenbäumen träumen“ der Hamburger Dokumentarfilmerin Antje Hubert, der am heutigen Montag als Premiere im Abaton zu ­sehen ist. Die Regisseurin kommt ins Kino und bringt zahlreiche ihrer Protagonisten mit.

„Hauptdarsteller“ in diesem Film ist jedoch Oberndorf. Die kleine Gemeinde in Niedersachsen liegt im Mündungsgebiet der Elbe, 1500 Einwohner leben dort. Noch. Denn es zieht viele Dorfbewohner in die Städte. So gab es in Oberndorf vor 20 Jahren noch 70 Bauern­höfe, heute ist es nur noch die Hälfte. „Wenn man hier eine Stalltür aufmacht, ist nichts mehr drin“, beschreibt es ein ehemaliger Ackerbauer.

Damit wollte man sich in Oberndorf aber nicht abfinden, schon gar nicht damit, dass die Schule, das „Herz im Dorf“, geschlossen werden sollte. Die Oberndorfer entdeckten ihren Erfindungsgeist und boten dem Zeitgeist die Stirn. Sie suchten nach neuen Wegen, um Geld für ihre Gemeinde zu verdienen und fanden Hilfe bei einem Berliner Projektentwicklungs-Büro. Zusammen fassten sie einen kühnen Plan: Mithilfe von Gülle wollten sie eine Fischzucht starten. Als wären afrikanische Welse nicht exotisch genug, enthielt der Plan auch noch den Anbau exotischer Früchte wie Bananen.

Menschen, die sich etwas in den Kopf gesetzt haben, sind nur schwer aufzuhalten – auch darum geht es in diesem Film. Er liefert zugleich das Porträt einer immer noch intakten dörflichen Gemeinschaft, die ihren Kampfgeist entdeckt. „Von Bananenbäumen träumen“ ist ein Film, der Mut macht. Nach Oberndorf kam Regisseurin Antje Hubert übrigens, weil man sie eingeladen hatte, einen ihrer Filme dort vorzustellen. „Wo ein Kino ist, werden die Leute angestiftet zu träumen“, sagt sie. Da ist wohl etwas dran.

„Von Bananenbäumen träumen“ Premiere Mo 27.3., 20.00, Abaton (Bus 4+5), Allende-Platz 3, Karten: 8,-/erm. 7,50