Fotokunst

Wie Blinde die Welt „sehen“

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Katja Engler

Die Zentralbibliothek zeigt in einer Schau Fotos, die die Künstler selbst nicht in Augenschein nehmen können

Fotokunst. Wenn Sonia Soberat, Bruce Hall und Pete Eckert sehen könnten, wären sie wahrscheinlich ganz normale Fotografen. Sie sind aber blind. Und dass sie trotz dieser paradoxen Situation zu Fotokünstlern geworden sind, macht es den Betrachtern ihrer Bilder möglich, eine visuell völlig unbekannte Welt neu kennenzulernen. Die barrierefrei zugängliche Ausstellung ihrer Fotos wird am heutigen Montag in der zentralen Bücherhalle am Hühnerposten eröffnet – in Anwesenheit des Berliner Regisseurs Frank Amann, mit dem es eine Gesprächsrunde geben wird.

Sonia Soberat ist eine der betreffenden Fotokünstler. Sie ist erst im Alter von 57 Jahren erblindet und arbeitet, unterstützt von einem Assistenten, mit theaterähnlich inszenierten Standbildern. Dafür setzt sie eine Taschenlampe ein, mit der sie bestimmten Konturen nachfährt.

Unter Einsatz extrem langer Belichtungszeiten entstehen geheimnisvolle Szenen, dramatisch gesteigert durch eine Art Lichtmalerei. Für sie und die anderen blinden Fotografen ist diese Art der bildnerischen Arbeit eine kreative Möglichkeit, um ihre innere Bildwelt anderen sichtbar zu machen.

Mit der Weltwahrnehmung Blinder hat sich der Regisseur des Dokumentarfilms „Shot in The Dark“, Frank Amann, schon früher beschäftigt. Während der Arbeit an einem Film über blinde Teenager, wo er als Kameramann eingebunden war, begann er gemeinsam mit der Regisseurin, darüber nachzudenken, „wie blinde Menschen die Welt um sich herum erfahren, ob sie Lichteindrücke empfinden, Fantasie- oder Traumbilder sehen und wie wir das in die Sprache unserer Filmkamera übersetzen können“.

Im Zuge dessen traf Amann auf den Katalog einer Ausstellung mit Fotografien von 15 blinden Künstlern und Künstlerinnen – Ausgangspunkt für seinen Dokumentarfilm „Shot in The Dark“. Drei dieser blinden Fotografen sind jetzt in der Hamburger Schau vertreten.

„Shot in The Dark“ Fotoausstellung Vernissage Mo 27.2., 18.00 Zentralbibliothek (U/S Hbf.), Hühnerposten 1, Mo–Sa 11.00–19.00, Ausstellung 28.2.–8.3., der Dokumentarfilm „Shot in The Dark“ wird dort am Di, 7.3., 19.00 gezeigt. Ein Workshop mit sehenden und nicht sehenden Fotografen findet dort am Mo, 6.3. von 17.00–19.00 statt. Eintritt zu allen Veranstaltungen frei

( eng )