Kabarett

Spöttische Bilanz

Kabarettist Henning Venske blickt mit Musiker Frank Grischek satirisch aufs Jahr 2015 zurück

Kabarett.  Die Moralkeule schwingen? Das könnte ein Kabarettist auch, muss er aber nicht, wenn er mehr kann. Henning Venske, wiewohl Moralist, Mahner und einer der letzten Aufklärer hierzulande, lehnt es ab, ein Jahr als „gut“ oder „schlecht“ zu kategorisieren. Bilanz zieht er indes immer noch gern, am liebsten im Lustspielhaus,.

Zum 20. Mal bringt der Hamburger Satiriker in seinem Jahresrückblick von diesem Sonnabend an auf den Tisch, was andere lieber unter den Teppich kehren. Oder die elektronischen Medien mangels Bildern, O-Tönen und Analysen in ihren Jahresrückschauen gar nicht erst thematisiert haben.

„Das war’s! War’s das?“, fragt Henning Venske erneut. Wie stets an seiner Seite: Musik-Stoiker Frank Grischek, die „Boygroup für alle unterdrückten Minderheiten“. Missstände in Politik, Wirtschaft und Medien will Venske aufzeigen. „Der große Diskurs, der fehlt mir in unserer Gesellschaft“, sagt der 76-Jährige. Für ihn sind Talkshows nur „öde Nabelschauen“, in denen versucht werde, Meinungen auf Mehrheitsfähigkeit zu testen. „Selbst Frau Wagenknecht gehört dort jetzt zum Inventar.“

Von seiner Position als „Fool on the hill“ (Narr auf dem Hügel) sieht der scharfsinnige und -züngige Kabarettist manches mit anderen Augen. „Flüchtlinge in Millionenzahl gibt es auf der Welt schon seit Langem, Terror auch, und Nazis haben wir auch schon seit längerer Zeit“, wird Venske Hauptthemen des Jahres 2015 wohl nur streifen. Doppelmoral regt ihn auf. Etwa die „Je suis Charlie“-Solidarität nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im vorigen Januar. „Die Solidarität beschränkte sich doch meist nur auf die Ablehnung vollbärtiger Mörder“, meint Venske, nicht aber auf die Magazin-Kritik am Katholizismus oder Neoliberalismus. Derartige Sonntagsredner nennt Venske „Lallbacken“. Diese humoristische Rubrik ist fester Teil seines Rückblicks. „Lallbacken“ hieß 2011 auch ein Buch Venskes. In dem hatte Angela Merkel bereits ihren Platz – mit dem Gagasatz: „Man darf das Zeitfenster nicht verstreichen lassen.“ In diesem Sinn: Venske spielt noch bis zum 10. Januar.

„Das war’s! War’s das?“ Premiere Sa 2.1., bis So 10.1., täglich 20.00, Lustspielhaus (U Hudtwalcker­straße), Ludolfstr. 53, Karten zu 9,50 (erm.) bis 26,50 unter T. 55 56 55 56; www.almahoppe.de