Ukraine-Krieg

Ermittlungen gegen Putin-Freund – Razzia auch in Hamburg

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Maskierte Polizisten stehen am Mittwoch bei einer Razzia vor einem Haus des russischen Oligarchen Usmanow.

Maskierte Polizisten stehen am Mittwoch bei einer Razzia vor einem Haus des russischen Oligarchen Usmanow.

Foto: Matthias Balk/ dpa

Nach EU-Sanktionen gegen Anhänger von Putin: Hat einer von ihnen womöglich dagegen verstoßen? Justiz ermittelt mit Großaufgebot.

Hamburg. Schlag gegen russischen Oligarchen Alischer Usmanow: Polizisten des Bundeskriminalamts (BKA) sowie Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und der Staatsanwaltschaft München II haben am Mittwoch das Anwesen des Vertrauten des russischen Staatschefs Wladimir Putin am Tegernsee sowie weitere Objekte durchsucht. Usmanow soll einen mehrstelligen Millionenbetrag verschoben und gegen die wegen Russlands Angriff auf die Ukraine gegen ihn verhängten EU-Sanktionen verstoßen haben.

Weitere Durchsuchungen mit insgesamt 250 Einsatzkräften gab es in Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Oligarch Usmanow: Ein Vertrauter Putins

Die Frankfurter und Münchner Ermittler bestätigten den Namen Usmanow nicht, Kreise der Ermittlungsbehörden bestätigten aber der Nachrichtenagentur AFP, dass es sich um ihn als den tatverdächtigen russischen Staatsbürger handelt.

Usmanow gilt als Vertrauter Putins. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unklar, Medienberichten zufolge soll er sich nach dem Beginn des russischen Angriffs nach Usbekistan abgesetzt haben. Davor lebte er lange unbehelligt in Bayern am Tegernsee.

Ermittlungen gegen Usmarnow: Zwei Verfahren parallel

Die Razzia am Mittwoch steht im Zusammenhang mit zwei getrennt laufenden Verfahren in Frankfurt und München. Die Frankfurter Ermittler nahmen ihr Verfahren nach der Veröffentlichung der sogenannten Panama-Papers auf. Usmanow soll demnach von 2017 bis dieses Jahr mehrere Transaktionen von Geld veranlasst haben, um dessen Herkunft zu verschleiern.

Bei den Transaktionen soll der Beschuldigte sein umfangreiches und komplexes Netzwerk an Unternehmen und Gesellschaften, überwiegend in sogenannten Offshore-Staaten, genutzt haben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. „Es besteht der Verdacht, dass die überwiesenen Geldbeträge aus Straftaten, insbesondere aus Steuerhinterziehungsdelikten, stammen.“ Das Volumen liege wohl im mehrstelligen Millionenbereich.

Ermittlungen gegen Putin-Freund – Razzia auch in Hamburg

Während das Frankfurter Verfahren sich damit auf mögliche Geldschiebereien bezieht, bezieht sich das Münchner Verfahren direkt auf die EU-Sanktionen gegen russische Staatsbürger nach dem Angriff auf die Ukraine. Es gehe um den Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz, teilten die Münchner Ermittler mit.

Der Münchner Staatsanwaltschaft zufolge ließ der beschuldigte russische Staatsbürger auch nach Aufnahme auf die Sanktionsliste seine Immobilien in Oberbayern von einer Sicherheitsfirma bewachen. Durch die Bezahlung dieser Bewachungsdienste habe er dem Verfügungsverbot über eingefrorene Gelder zuwidergehandelt. Vier weiteren Beschuldigten werde zudem vorgeworfen, durch die Erbringung der Bewachungsdienste oder deren Unterstützung und die Entgegennahme der Bezahlung Beihilfe zu dem Verstoß geleistet zu haben.

Ukraine-Krieg: Oligarch Usmanow gilt als Putins Strohmann

Usmanow gilt als enger Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Ukraine-Politik. Die Europäische Union hatte deshalb wenige Tage nach dem Angriff Russlands auf das Nachbarland am 28. Februar Sanktionen verhängt. In den Beschluss dazu heißt es, Usmanow habe als Strohmann für Putin gedient und dessen geschäftliche Probleme gelöst. Vor der Villa des Oligarchen in Rottach-Egern hatten nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine immer wieder Menschen demonstriert.

Wegen der Sanktionen hatten die Behörden zudem im April die Luxusyacht „Dilbar“ festgesetzt, die mit einem Schätzwert von mehr als 500 Millionen Euro als teuerste Jacht der Welt gilt. Eignerin soll Usmanows Schwester sein. In der Nacht zum Mittwoch wurde das Boot von Schleppern aus dem Trockendock einer Werft von Hamburg nach Bremen verlegt.

Sanktionen: Fast fünf Milliarden Euro wurden bisher blockiert

Wie der „Spiegel“ derweil unter Berufung auf eine Unterrichtung des Bundeswirtschaftsministeriums an den Bundestag berichtete, konnte der Bund bisher Vermögenswerte von Russinnen und Russen im Wert von mindestens 4,88 Milliarden Euro blockieren. Mit 2,2278 Milliarden Euro machten dabei demnach eingefrorene Gelder den größten Einzelposten aus, bewegliche Vermögenswerte wie etwa Jachten 1,087 Milliarden Euro. Daneben gebe es Immobilien und andere Werte.

( dpa/AFP )