Pandemie in Hamburg

Corona-Mutation aus Großbritannien – Marylyn Addo macht Mut

Lesedauer: 3 Minuten
Juliane Lauterbach und Jens Meyer-Wellmann
Bleibt Optimistisch: Professorin Marylyn Addo leitet die Infektologie am UKE und beruhigt in Bezug auf die neue Virusmutation.

Bleibt Optimistisch: Professorin Marylyn Addo leitet die Infektologie am UKE und beruhigt in Bezug auf die neue Virusmutation.

Foto: Michael Rauhe / HA

UKE-Infektiologin hält rasante Verbreitung neuer Corona-Variante aus Großbritannien in Deutschland für wenig wahrscheinlich.

Hamburg.  Die renommierte Infektiologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg rechnet im Zusammenhang mit der neuen Coronavariante aus England nicht mit schwereren Erkrankungsverläufen als bisher. „Virusmutationen an sich sind nicht ungewöhnlich“, sagte Addo dem Hamburger Abendblatt.

Allerdings könne man den Fall noch nicht vollumfänglich einschätzen, da genauere Daten noch fehlten. Der Charité-Virologe Christian Drosten hält eine rasante Verbreitung der neuen Variante in Deutschland für wenig wahrscheinlich. „Ich glaube nicht, dass wir da bald ein größeres Problem kriegen“, sagte der Berliner Experte.

Corona-Mutation: Wahrscheinlich ist die Virusvariante schon in Deutschland

Es sei zwar wahrscheinlich, dass die Variante mit der Bezeichnung B.1.1.7., die erstmals in Großbritannien nachgewiesen wurde, mittlerweile auch in Deutschland sei. „Aber bei den aktuellen Beschränkungen dürfte die Variante hierzulande eher schwer Fuß fassen.“ Darauf deuteten Daten hin, die die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) veröffentlicht hat. Das auf Virenforschung spezialisierte Heinrich-Pette-Institut schrieb auf seiner Internetseite, es seien „weitere Untersuchungen erforderlich, bevor tatsächlich eine erhöhte Infektiösität angenommen werden kann“.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Immerhin gibt es derweil positive Daten zur Grippe. Laut UKE-Professorin Addo wurden bisher deutlich weniger Patienten mit Influenza beobachtet als in den Vorjahren. Vermutlich würden auch die AHA-Regeln dazu beitragen, dass sich weniger Menschen mit dem Erreger infizierten. Hinzu komme, dass in diesem Jahr die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich gegen Influenza impfen zu lassen, besonders hoch gewesen sei.

Derweil ist die 7-Tage-Inzidenz bei den Coronainfektionen in Hamburg am Dienstag mit 174,7 auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Die starke Zunahme liegt daran, dass am Dienstag mit 582 Neuinfektionen mehr als doppelt so viele neue Fälle gemeldet wurden wie am Dienstag der Vorwoche, an dem die Zahl bei 279 gelegen hatte. Zum Vergleich: Am Montag hatte die Inzidenz 158,5 betragen, am 3. Dezember 90.

Mehr Kapazitäten: Kliniken in Hamburg verschieben Eingriffe

Mittlerweile werden 525 Menschen in Hamburger Kliniken wegen schwerer Coronainfektion behandelt, 103 davon auf Intensivstationen – beides sind neue Höchststände. Die Lage auf den Intensivstationen sei „angespannt“, sagte Senatssprecherin Julia Offen. Die Kliniken würden in den kommenden Tagen nicht lebenswichtige, sogenannte „elektive“ Eingriffe verschieben, um mehr Kapazitäten für Corona-Intensivpatienten freizumachen, so Offen. Hamburg sei in der Lage, auch das dafür nötige Personal zu mobilisieren.

Auf die Frage nach der englischen Mutation sagte Offen, die von Flugreisenden aus England genommenen Abstriche würden derzeit untersucht. Die Sequenzanalyse dauere in der Regel eine Woche, so dass die Ergebnisse noch nicht vorlägen. Zu neuen Restriktionen für den Fall eines weiteren Anstiegs der Inzidenz wollte sich die Sprecherin noch nicht äußern – verwies aber auf dazu bestehende Vereinbarungen.

Nach dem Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten vom 13. Dezember sind für Gebiete mit einer Inzidenz von mehr als 200 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen „weitgehende Ausgangsbeschränkungen“ vorgesehen.