Schleswig-Holstein

Lübecker Flughafen versucht einen Neustart

Im Juli 2014 hob am Flughafen in Lübeck-Blankensee zum letzten Mal eine Maschine der irischen Billigfluglinie Ryanair ab.

Im Juli 2014 hob am Flughafen in Lübeck-Blankensee zum letzten Mal eine Maschine der irischen Billigfluglinie Ryanair ab.

Foto: dpa/ Picture-Alliance

Gewerblicher Betrieb mit mehr als 10.000 Fluggästen ist wieder möglich. Von 2020 an soll es Linienflüge geben.

Lübeck.  Der Lübecker Flughafen hat einen ersten Schritt zur Wiederaufnahme eines Linienflugverkehrs genommen. Am Montag übergab Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) das offizielle Zertifikat der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). „Damit erfüllt der Flughafen alle europäischen Sicherheitsstandards und hat die Chance, wieder zu einer kleinen Drehscheibe des Luftverkehrs zu werden“, sagte Buchholz. Der mehrfach von der Schließung bedrohte Flughafen will im kommenden Jahr wieder einen Linienflugbetrieb anbieten. Das allerdings in recht bescheidenen Umfängen: mit kleinen Flugzeugen, die nur knapp 20 Sitzplätze haben.

Dennoch: Mit der Zertifikatsübergabe ist nun ein erster Schritt getan. Geprüft wurden unter anderem die Trag­fähigkeit der Start-und-Lande-Bahn, die Rollwege, die Anflugbefeuerung sowie die Überwachung der Betriebssicherheit und die Mitarbeiterschulung. Das Zertifikat ist seit 2018 Voraussetzung für den gewerblichen Betrieb eines Flughafens, wenn mehr als 10.000 Fluggäste im Jahr befördert werden, sagte Buchholz. Damit habe der Flughafen die Chance, zur kleinen Drehscheibe des Luftverkehrs zu werden. „Und das sage ich ausdrücklich als Verkehrs-, Wirtschafts- sowie Tourismusminister. Denn für all diese Branchen und Menschen, die hier arbeiten, ist ein funktionierender Flughafen entscheidend“, sagte Bernd Buchholz. In den Jahren zwischen 2000 und 2016, als regelmäßiger Linienflugbetrieb herrschte, seien jährlich bis zu 715.000 Passagiere abgefertigt worden. Das zeige auch die besondere Bedeutung für die Bevölkerung, die von dem Reiseangebot regelmäßig Gebrauch gemacht habe, sagte der Minister.

Kooperation mit Air Alsie geplant

„Für uns ist das EASA-Zertifikat ein Baustein zur Wiederbelebung des Passagierbetriebs“, sagte der Eigentürmer des Flughafens, Winfried Stöcker (72). „Im Sommer 2020 wollen wir den Linienflugbetrieb wieder aufnehmen.“ Dazu soll die 2017 von Stöcker gegründete Lübeck Air GmbH mit der dänischen Chartergesellschaft Air Alsie kooperieren und eine vollwertige Airline-Lizenz beantragen. „Die konkreten Strecken werden in den nächsten Monaten ausgearbeitet. Denkbar ist unter anderem eine Verbindung nach Stockholm“, sagte Winfried Stöcker.

Der wegen umstrittener Äußerungen zu Flüchtlingen und Frauen in die Kritik geratene Lübecker Biotechnologie-Unternehmer hatte 2016 den damals insolventen Flughafen gekauft. Zuvor war der Flughafen zeitweise von der Stadt Lübeck selbst, von neuseeländischen, ägyptischen und chinesischen Investoren geführt worden. Wie wenig Geld mit dem kleinen Regionalflughafen zu verdienen ist, zeigt die Tatsache, dass der deutsch-ägyptische Kaufmann Rady Amar den Airport 2012 für den symbolischen Preis von 1 Euro von der Stadt Lübeck erwarb. Rund anderthalb Jahre später verschwand Rady Amar spurlos, der Flughafen war insolvent.

Von einer Insolvenz in die nächste

Im August 2014 kam der chinesische Investor Chen Yongquiang, der chinesische Flugschüler nach Lübeck holen wollte. Kurz darauf stellte der die Zahlungen ein. Der Lübecker Flughafen musste ein weiteres Mal Insolvenz anmelden.

2016 war dann Winfried Stöcker dran. Unweit des Flughafens steht die Zentrale der von ihm gegründeten Firma Euroimmun. Winfried Stöcker, so wird gemutmaßt, wollte den Flughafen unter anderem deshalb am Leben halten, weil er ihn selbst gern benutzte. Euroimmun hat Niederlassungen im In- und Ausland. das Unternehmen gibt es seit 1987. Die Firma stellt Testsysteme her, die Antikörper im Blut von Patienten erkennen können. Im Dezember 2017 verkaufte Stöcker Euroimmun an das US-amerikanische Unternehmen PerkinElmer für angeblich rund 1,2 Milliarden Euro.

Stöcker hetzt gegen Flüchtlinge

Seitdem ist Geld in der Kasse. Der Flughafen Lübeck gehört der Stöcker Flughafen GmbH und Co. KG. Stöcker selbst fällt immer wieder durch angreifbare Äußerungen auf. Menschen aus Afrika bezeichnet er gern als „Neger“. Bei einer Weihnachtsansprache hatte er Ende 2017 den Euroimmun-Beschäftigten empfohlen: „Zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“

Das rief Proteste hervor, insbesondere bei Grünen und SPD. Stöcker legte nach. Bei seiner Adventsansprache im Dezember 2018 sagte er: „Es sind Pharisäer, und indem sie mich denunzieren, setzen sie sich selbst ins Unrecht. Was für ein Vorbild geben sie ab? Sie müssten sich ja fast noch an das Dritte Reich erinnern können, als Tausende verdienter Persönlichkeiten ihrer Ämter enthoben wurden, weil sie sich getraut hatten, dem Dogma der Volksmehrheit zu widersprechen.“ Dabei tue er doch viel Gutes. „Allein letztes Jahr“, so Stöcker, „haben wir Deutschlands Norden mit einem Geldregen von mehr als 300 Millionen Euro Steuern überschüttet.“