Hilfe für bedürftige Menschen in Hamburg
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Fachkräfte von morgen

21 Migranten und Geflüchtete erhalten das Hamburg Stipendium

Lesedauer: 4 Minuten
Sabine Tesche
Alaa Zetauny (3.v.l.) ist eine der 21 Studierenden mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die mit dem Hamburg Stipendium gefördert werden. Sie floh mit ihrer Familie über das Meer nach Deutschland. Nun studiert sie im fünften Semester Angewandte Informatik an der HAW.

Alaa Zetauny (3.v.l.) ist eine der 21 Studierenden mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die mit dem Hamburg Stipendium gefördert werden. Sie floh mit ihrer Familie über das Meer nach Deutschland. Nun studiert sie im fünften Semester Angewandte Informatik an der HAW.

Foto: Alaa Zetauny

Sie sind aus Afghanistan, Syrien und dem Iran geflüchtet, andere hier geboren. „Hamburger Abendblatt hilft e.V.“ fördert das Programm.

Hamburg. Sie studieren Biotechnologie, Deutsch auf Lehramt, Ingenieurwissenschaften oder Jura an den verschiedenen Hochschulen Hamburgs. Einundzwanzig Studierende mit Migrations- oder Fluchthintergrund werden derzeit mit dem Hamburg Stipendium gefördert – diese Woche gab es eine offizielle Übergabe durch das Studierendenwerk Hamburg.

In der Online-Veranstaltung erzählten die Stipendiaten von sich und ihrer Motivation für das Studium. Sie sind aus Afghanistan, Syrien und dem Iran geflüchtet, andere hier geboren. Manche sind erst Anfang 20, haben das Abitur oder auch ein soziales Jahr hinter sich, andere bereits ein halbes Leben.

So wie Alaa Zetauny, die im fünften Semester Angewandte Informatik an der HAW studiert. Die Palästinenserin ist 37 Jahre alt und lebte bis 2013 mit ihrem Mann und den vier Kindern in der Nähe von Damaskus in Syrien. Sie ist studierte Telekommunikations-Ingenieurin, ihr Mann, ein Elektriker, hatte einen eigenen Laden. „Wir hatten ein wunderbares Leben in Syrien, ein Haus und beide gute Jobs“, sagt Alaa Zetauny.

Stipendium Hamburg: Sie hat vier Kinder, Job und Studium

Dann kam der Krieg und die Familie floh über das Meer nach Deutschland. Über Umwege kam sie nach Lüneburg. Alaa Zetaunys Mann fand einen Job als Elektriker, sie hat nach vielen Deutschkursen und einem Vorbereitungssemester „Kompetenz Kompakt“ dann 2019 mit dem Informatikstudium begonnen. „Ich liebe dieses Fach und habe danach sehr gute Jobaussichten“, sagt Alaa Zetauny, die inzwischen Deutsche ist. Sie arbeitet zusätzlich noch als Werkstudentin in einer IT-Firma, erzieht gemeinsam mit ihrem Mann die Kinder und gibt zu, dass sie manchmal an ihre Grenzen stoße.

„Aber ich erfahre so viel Unterstützung von meiner Familie und deutschen Freunden. Und zudem habe ich jetzt noch das Hamburg Stipendium, das entlastet mich sehr.“ 150 Euro pro Monat bekommt jeder Stipendiat. So kann sie nicht nur zum Familienhaushalt etwas beitragen, sondern auch die Semesterbeiträge und Bücher bezahlen. „Ich bin sehr stolz, dass ich das Stipendium nach guten Bewertungen meiner Professoren nun schon zum zweiten Mal bekommen habe“, sagt die engagierte Studentin.

Es geht um das kulturelle Miteinander

Für Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer Studierendenwerk Hamburg, steht nicht nur der finanzielle Anteil im Vordergrund: „Als Teil eines Stipendiaten-Netzwerks können die Studierenden an Veranstaltungen teilnehmen und wertvolle Kontakte zu Einrichtungen und Unternehmen knüpfen. Gleichzeitig fördern wir so das interkulturelle Miteinander und Hamburger Unternehmen erhalten die Chance, hierzu beizutragen“, sagt Allemeyer.

Firmen wie Hapag Lloyd, Gasnetz Hamburg, Haspa und Helm AG fördern das Stipendienprogramm, auch der Lions Club Hamburg und der Verein „Hamburger Abendblatt hilft“ spenden dafür. „Denn wir brauchen Sie, egal wo Sie geboren worden sind. Sie sind die gesuchten Fachkräfte von morgen. Machen Sie andern Mut, Ihnen zu folgen“, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard zu den Stipendiaten bei der digitalen Feier.

Wichtig sind herausfordernde Lebensumstände

Bei der Auswahl der Bewerber sind nicht nur die guten Leistungen entscheidend, sondern vor allem die „herausfordernden Lebensumstände“ und dass die Eltern keine Hochschule in Deutschland besucht haben. „Es sind alles Menschen, die durch ihren schwierigen Lebensweg und ihre Herkunft weniger Chancen hatten und finanziell bedürftig sind“, sagt Allemeyer, dem es allerdings auch um eine gesellschaftliche Aussage geht. „Wir möchten aufzeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund ein fester Teil unserer Gesellschaft sind und wir voneinander profitieren.“

So machte Neustipendiatin Deepkamal Kaur (21) nach dem Abitur in Hamburg zuerst einen Bundesfreiwilligen-Dienst beim Arbeiter-Samariter-Bund, engagiert sich dort ehrenamtlich und studiert Ökotrophologie. Sie freut sich vor allem über die Kontakte, die sie durch das Stipendium erhält. „Das hilft mir, später einen guten Job zu finden.“

Infos: www.hamburg-stipendium.de