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Ukraine-Krieg: Warnung vor Cyber-Attacken beider Seiten

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Miguel Sanches
Anonymous: Fünf Fakten über das Internetphänomen

Anonymous: Fünf Fakten über das Internetphänomen

Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Internetgruppierung “Anonymous” einen Hackerangriff auf Russland gestartet. Das steckt hinter der Hackergruppe:

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Der Ukraine-Krieg ist für die Wirtschaft ein Realitätsschock: Er führt ihr eine Abhängigkeit vor – und das Risiko von Cyber-Attacken.

Berlin. Russland und die Ukraine weiten ihren Krieg auf Deutschland aus. Das Schlachtfeld: der virtuelle Raum. Dort kämpfen nicht zuletzt Cybergruppen und Hacker auf Seiten beider Kriegsparteien.

Die russische Invasion werde durch Cyberangriffe und "Versuche der Einflussnahme" begleitet, erklärte das Bundesamt für Verfassungsschutz am Mittwoch auf einer Tagung mit dem Bundesverband Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW) in Berlin.

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Verfassungsschutz-Vizepräsident Sinan Selen warnte vor gezielten Aktionen auf ganze Branchen und Regionen. High-Tech-Lieferketten seien einem immer höheren Risiko ausgesetzt, hieß es auf der Tagung.

Cyber: Attacken von "Ghostwriter" erwartet

Die Kölner Behörde geht von einem hohen Risiko aus, "dass auch deutsche Stellen zu Zielen werden" – von beiden Seiten. Der Geheimdienst sieht dafür mehrere Anhaltspunkte.

  • Die Hackergruppe Ghostwriter hat im März ihre Angriffe verstärkt. In den letzten Tagen wurde ihr eine neu registrierte Domain zugeordnet. Als Auftraggeber wird der russische Militärgeheimdienst GRU vermutet.
  • Die russische Botschaft in Berlin richtete ein E-Mail-Postfach für „Landsleute“ ein, um „Fälle von Mobbing, Belästigung, Drohungen, Angriffen oder physischer Gewalt“ zu melden. Die Fälle werden öffentlich aufgelistet, auch mit Namen von Unternehmen.
  • Illegale russische Beschaffungsbemühungen würden sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" intensivieren. Betroffen sind etwa die Luft- und Raumfahrt, Halbleiterproduktion oder auch die Rüstungsindustrie.
  • Infolge der Mobilisierung via Twitter unter Hashtag #bloodytrade könne nicht ausgeschlossen werden, dass Unternehmen angegriffen werden, die ihre Geschäfte in Russland nicht eingestellt haben. Eine deutsche Tochtergesellschaft eines russischen Konzerns ist bereits Opfer eines Angriffs durch eine internationale pro-ukrainische Cybergruppierung geworden.

Hacker nutzen Accounts ukrainischer Militärs

Die Experten gehen davon aus, dass "Ghostwriter" die neue Domain für zukünftige Angriffe gegen deutsche und europäische Ziele anlegte. Eine IT-Sicherheitsfirma berichtete, dass kompromittierte E-Mail-Accounts ukrainischer Militärs genutzt werden, um Phishing-Angriffe gegen Politikerinnen und Politiker europäischer Regierungen zu starten.

Das Kölner Bundesamt rät den Unternehmen, die Kommunikation mit Niederlassungen oder Geschäftskontakten in Russland auf ein Minimum zu reduzieren. "Insbesondere russische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten nicht in die Lage gebracht werden, sich per Telefon oder E-Mail zum Krieg in der Ukraine äußern zu müssen", heißt es in einem "Sicherheitshinweis".

Russen versuchen, Sanktionen zu umgehen

Der ASW-Vorsitzende Volker Wagner rief dazu auf, die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit, der deutschen Wirtschaft zu erhöhen. Laut Verfassungsschutz liegen seit geraumer Zeit zudem Hinweise auf illegale russische Beschaffungsaktivitäten vor, um die Sanktionen zu umgehen.

Für den Grünen-Politiker Konstantin von Notz führt Russland "in aller Brutalität" die deutsche Abhängigkeit bei der Energieversorgung vor. Wie der Sicherheitsexperte Peter Neumann vom Londoner Kings College warnte er zugleich davor, sich auf Russland zu fokussieren.

Warnung vor neuer Abhängigkeit, diesmal von China

Man müsse "über China reden", das einen diametral anderen Wertekanon habe, sagte von Notz. Der Grüne erinnerte daran, dass beim Ausbau des 5-G-Netzes in Deutschland auf den chinesischen Anbieter Huawei gesetzt werde. Er verstehe, dass viele "große Bedenken" hätten.

Neumann mahnte, "China ist der Systemwettbewerber". Das mache es so problematisch, dass zum Beispiel die deutsche Automobilindustrie "vom Markt in China total abhängig" sei.

Wandel durch Handel: ein Trugschluss

Neumann wie von Notz sind besorgt, dass sich die Probleme mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit wiederholen, nicht gegenüber Russland, sondern im Verhältnis zu China. "Wandel durch Handel", war mal die Grundidee deutscher Ost- und Entspannungspolitik. Heute stellt Neumann – die Chinesen im Blick – fest, "je mehr gehandelt wurde, "desto totalitärer sind sie geworden".

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de

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