Musik

Legendärer Bandleader Max Greger gestorben

Zu Ehren von Max Greger (ganz rechts) gaben v.l. James Last, Hugo Strasser, Hazy Osterwald und Paul Kuhn (am Klavier) im ZDF-Studio 1986 ein musikalisches Stelldichein

Zu Ehren von Max Greger (ganz rechts) gaben v.l. James Last, Hugo Strasser, Hazy Osterwald und Paul Kuhn (am Klavier) im ZDF-Studio 1986 ein musikalisches Stelldichein

Foto: picture-alliance / dpa

Er spielte mit Weltstars wie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald: Nun erlag Max Greger seinem Krebsleiden. Vom Leben der Swing-Legende.

München.  Der legendäre Münchner Bandleader Max Greger ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Das bestätigte Gregers Frau Johanna. Demnach erlag der Jazzmusiker in der Nacht zum Sonnabend einem Krebsleiden, er habe zuvor bereits vier Wochen im Krankenhaus gelegen.

Er spielte die Titelmelodie des "Aktuellen Sportstudios" ein

Der in München-Giesing geborene Metzgersohn spielte mit Weltstars des Jazz wie Louis Armstrong, Duke Ellington, Lionel Hampton und Ella Fitzgerald. Auch mit dem im Juni verstorbenen Bandleader James Last und anderen deutschen Größen wie Paul Kuhn hatte Greger Musik gemacht. Unter anderem spielte er die Titelmelodie des „Aktuellen Sportstudios“ ein.

Neben seiner Frau Johanna hinterlässt Greger einen Sohn, der ebenfalls Musiker ist und lange in seinem Orchester spielte, sowie eine Tochter und einen Enkel.

Vom Leben einer Swing-Legende

Der Ruhestand war nicht Max Gregers Sache. „Musik, das ist mein Leben. Da kommst du nicht davon weg“, bekannte er. Seinen 85. Geburtstag 2011 feierte der legendäre Swing-Musiker natürlich nicht zu Hause, sondern da, wo er die meiste Zeit seines langen Lebens verbracht hatte: Bei seinem Publikum, mit seinem Saxofon.

Bei seiner Geburtstagstournee zum 85. reiste er mit seinen alten Gefährten Hugo Strasser und Peter Kraus und mit der SWR Big Band durch ganz Deutschland. Bei der Trauerfeier für Showmaster Joachim Fuchsberger im vergangenen September spielte Greger noch im Alter 88 Jahren auf dem Saxofon „Amazing Grace“ mit seinem Sohn.

„Warum soll ich aufhören, solange mich das Publikum hören will? Da mach ich doch weiter - es macht ja auch Spaß!“, sagte Greger einmal. „Das ist wie bei einem Maler: Der hat den Pinsel so lang in der Hand und malt auch im hohen Alter. Und die Schauspieler kriegen ja oft im hohen Alter erst die besten Rollen.“ Auch ein nach einem Sturz lädierter Arm konnte Greger nicht von seiner Musik abhalten - er sah das pragmatisch: „Gottseidank ist es der rechte Arm - und beim Saxofon ist der rechte Arm unten.“

Ursprünglich sollte Max Greger Metzger werden und das elterliche Geschäft im Münchner Stadtteil Giesing übernehmen. Doch der Großvater schenkte dem Jungen ein Akkordeon - und legte damit den Grundstein für eine grandiose Musiker-Karriere. Greger trat in Hunderten von Konzertsälen auf, nahm mehr als 150 Platten und CDs auf und produzierte rund 3000 Stücke. Millionen Paare tanzten nach seinen Titeln.

Als Kind spielte Greger in einem Akkordeon-Club, später studierte er Klarinette und Saxofon am Münchner Konservatorium. Seine Karriere begann 14 Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Als 19-Jähriger spielte er im Ratskeller am Marienplatz für US-Offiziere. Drei Jahre später gründete er das „Max-Greger-Sextett“. Er trat mit Weltstars wie Louis Armstrong, Duke Ellington und Ella Fitzgerald auf; Lionel Hampton lud ihn ein, bei seiner Europa-Tournee als einziger Weißer in seiner Big Band mitzuspielen.

1959 reiste Greger mit seiner Band, zu der auch Maria Hellwig und Udo Jürgens zählten, als erste westliche Gruppe fünf Wochen lang durch die Sowjetunion, gab 36 komplett ausverkaufte Konzerte - sein Durchbruch. 1963 stellte er für das ZDF ein Orchester zusammen und sorgte bei den großen TV-Shows 16 Jahre lang für den richtigen Ton.

Besonders stolz war er auf die Melodie des „Aktuellen Sportstudios“ von 1963. „Das ist das längst und meist gespielte Thema auf der Welt“, sagte er. „Meine berühmteste Nummer ist 23 Sekunden lang.“ Für eine CD zum 80. Geburtstag hatte er die Melodie dann ausgebaut auf zweieinhalb Minuten. Regelmäßig trat Greger mit seinem Sohn Max Greger jr. und seinem Enkelsohn Max Greger jr. jr. auf - auch das ein Superlativ. „Das ist einmalig auf der Welt, dass drei Generationen auftreten. Das gibt's sonst nur im Zirkus.“

Kürzertreten fiel ihm schwer. 1979 machte er einen ersten Versuch: Er löste seine Band auf, um mehr Zeit mit seiner Frau im Feriendomizil in Italien zu verbringen. Schon zu seinem 80. Geburtstag meinte seine Frau Johanna: „Er ist eigentlich für sein Alter zu viel unterwegs. Aber es macht ihm einfach Spaß.“ Musik sei sein Lebenselixier, sagte er selbst. „Kurz bevor man auftritt, zwickt's und zwackt's überall. Aber dann gehst Du raus auf die Bühne und die Wehwehchen sind wie weggeblasen.“