Ü60 trägt jetzt Dieseiner-Mode

Vorbild Enkel: Ältere Deutsche kopieren immer öfter den Lebensstil der Jungen, meint eine Jugendkulturforscherin

Junge Leute nehmen sich gern ältere, bekannte oder sogar tote Menschen zum Vorbild. Cäsar zum Beispiel, den Schwerenöter. Der war nicht nur in der Weltgeschichte unterwegs, sondern schrieb sie auch. Mal haute er auf den Putz, etwa in Germanien. Mal baggerte er eine schöne Ägypterin an. Was Leute bisweilen so tun, wenn sie auf Reisen sind. Und schließlich ernährte sich Cäsar vorbildlich gesund. Zum Beweis gibt es den Caesar Salat.

Aber es geht auch andersherum: Viele Ältere fühlen sich noch jung und orientieren sich daher in ihrem Lebensstil an Jugendlichen, meint die Jugendkulturforscherin Beate Großegger in der Zeitschrift „Schulverpflegung“. Das ist ein Fachmagazin, welches darüber informiert, wie man sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Demnach kopieren neuerdings Alte, was Jugendliche machen und wie sie ihr Leben gestalten. Mancher Großvater zwängt sich deshalb in die Klamotten von „Aberhallo & Futsch“. Man nennt sie Dieseiner-Mode – die seiner Enkel. Immer mehr Mitglieder der silbergrauen Generation suchen einen Apfelladen auf, um erntefrische Handys zu kaufen. Dort erfahren ältere Mitbürger erstmals das kundentätschelnde Du. Das kann man gleich im vollen Bus ausprobieren. Wer stehen muss, sagt überzeugend freundlich: „Du, darf ich dir meinen Stehplatz anbieten?“ Viele junge Menschen übernehmen bei der Höflichkeit eine Vorbildfunktion. Sie haben es verinnerlicht, anderen Menschen die Tür vor die Nase zuzuknallen, anstatt sie ihnen aufzuhalten. Da möchten Ü60-Jungspunde natürlich nicht nachstehen.

Im Supermarkt verhalten sich Jung und Alt inzwischen gleichermaßen. Wird angesichts einer Warteschlange eine weitere Kasse geöffnet, preschen Einkäuferinnen und Einkäufer jeder Altersklasse mit ihren beladenen Fahrzeugen von hinten an geduldigen Menschen vorbei in die Poleposition der Bezahlung. Das sind sie vom Autofahren so gewohnt. Die Vorbildfunktion überschuldeter Jugendlicher wird in der Politik deutlich. Ein erwachsener Finanzminister, ein Hellas’ Köpfchen, will Geld ausgeben, das er gar nicht hat.