Karasek

Großes Geld in kleinen Flaschen

Wie die Frau des israelischen Regierungschefs widerrechtlich 5000 Euro Pfand kassiert haben soll

Es gibt Witze, die mal ein Brüller waren und denen irgendwann durch äußere Umstände die Luft ausging. Einen Witz aus der Zeit des Flaschenpfands, das war vor der Zeit der Altglascontainer, mochte ich sehr. Vor allen Dingen, da wir in unseren Studenten- und WG-Zeiten am Sonnabend oft nur einkaufen gehen konnten, wenn wir die Pfandflaschen zurückbrachten. Nein, nicht was Sie denken. Es gab auch Malzbier. Und auf Apfelsaft-, Sprudel- und sogar Milchflaschen Pfand, weil die Tütenmilch erst im Vormarsch war.

Also die Geschichte von damals: Zwei Abiturienten begegnen sich zufällig immer wieder. Nach fünf Jahren fährt der eine im BMW-Coupé vor, der andere kriecht aus seiner Behausung unter der Brücke. „Was hast du gemacht?“, fragt der eine. „Ich bin Geschäftsführer einer großen Firma. Und du?“ „Ich saufe.“ Wiederum drei Jahre später fährt der Erste eine Mercedes-Limousine. „Weiter Karriere gemacht, wie ich sehe“, sagt der andere. „Ich leite einen Kaufhauskonzern“, sagt der Geschäftsführer. „Und du?“ „Ich saufe immer noch“, sagt der andere, der immer noch wie ein Penner aussieht. Wieder drei Jahre später, der eine sitzt in einem noch größeren Wagen, sieht aber erstaunt, dass der andere einem Rolls-Royce mit Chauffeur entsteigt. „Was ist denn passiert?“, fragt ihn der Schulfreund. Und der sagt: „Flaschen zurückgebracht.“

Wie gesagt, ich dachte, der Witz sei ausgestorben, bis ich dieser Tage vom Wahlkampf in Israel hörte. Vor allem Sara Netanjahu, Gattin des Premierministers, gerät in die Schlagzeilen. So soll die Kinderpsychologin ihr Kindermädchen mit Wutausbrüchen traktiert und ihr des Nachts aus Wut und leicht angetrunken – nein, keine Flasche, sondern einen Schuh an den Kopf geworfen haben.

Die leeren Flaschen wurden ihr, kein Witz, zum Verhängnis. Die Erste Dame des Staats sammelte sie sorgsam und ließ sie von ihrem Fahrer zum Supermarkt zurückbringen. Nach Hochrechnung des Hausmeisters, der sie jetzt verklagt hat, soll es sich in den Jahren von 2009 bis 2013 um circa 80.000 Flaschen gehandelt haben, für die Pfand kassiert wurde. Das ging natürlich nicht alles durch die Gurgel der First Lady. Schließlich hatte sie Staatsgäste zu bewirten. Und Wasser bestellte sie prinzipiell in kleinen Flaschen, weil das mehr Pfand brachte. 5000 Euro sollen widerrechtlich in ihrer privaten Schatulle gelandet sein.

Wohl bekomm’s!, kann man nur sagen und sich daran erinnern, dass es Trittin war, der das Dosenpfand einführte. Aus ökologischen Gründen.

Karasek schreibt jeden Sonnabend im Hamburger Abendblatt