Kling, Glöckchen, aber nachhaltig

Nürnberg, selbst ernannte „Weihnachtsstadt Nr.1“, setzt beim Christkindlesmarkt auf Bio

Besucher aus Japan, die „Christkindlesmarkt“ fehlerfrei aussprechen können, werden in Nürnberg mit Bravour die nächste Hürde nehmen und „Drei im Weggla“ bestellen, die berühmten Rostbratwürstchen, eingeklemmt im Brötchen, gebettet auf Senf.

In die Würstchenmetropole zieht es wieder zwei Millionen Besucher zum Weihnachtsmarkt, jeder Zehnte kommt aus dem Ausland. Die nach München größte Stadt Bayerns bleibt der Tradition und dem Termin treu: Die 186 Stände, fast ein Kilometer Verkaufsfront, dürfen erst an diesem Freitag vor dem 1.Advent öffnen. Während in Hamburg der Weihnachtsmann schon seit Montag dreimal täglich (16, 18, 20 Uhr) über dem Rathausmarkt schwebt, setzt Nürnberg aufs Christkind, das heute um 17.30 Uhr den Prolog von der Frauenkirche-Empore spricht: „Ihr Herrn und Frau’n, die ihr einst Kinder wart, ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was euch das Christkind sagt!“

Teresa Treuheit, Abiturientin, 19 Jahre alt, erfüllt alle Christkind-Kriterien: 1,60 Meter Mindestmaß, schwindelfrei und wetterfest. „Neben diesen formalen Kriterien sollte das Christkind herzlich sein, offen und belastbar“, so der Ausschreibungstext. Denn bis Heiligabend wollen Kindergärten und Altenheime von Teresa besucht werden, plus der Pflichttermine auf dem Markt.

Dort ist der Verkauf von Kriegsspielzeug verboten, ebenso Umsonst-Würstchen, mit denen Sachsen für sich und Bautz’ner Senf werben wollte. Untersagt ist laut Satzung auch laute Musik. Kling, Glöckchen, bitte nachhaltig. 50 Händler bieten Ökoware, doppelt so viele wie 2013, alle Buden sind aus heimischen Hölzern, die 175.000 Kilowattstunden aus Ökostromquelle, und erstmals brutzeln auf den Rosten Würstchen mit Biosiegel. Schon ohne Bio waren Nürnberger die erste Wurst im Register der schutzwürdigen EU-Spezialitäten. Mehr Exklusivität geht nicht? Doch! Den Titel Weihnachtsstadt Nr.1 hat Nürnberg sich selbst verliehen.