Das Großstadtbreitmaul

Neue Froschart mitten in New York entdeckt. Sie verrät sich durch schrille Paarungsrufe

Im Reich der wilden Tiere ist eine neue Art gefunden worden, die unser Bild auf die vermeintlich niederen Lebewesen revolutionieren wird. Es geht um einen Frosch. Die putzige Entdeckung haben Wissenschaftler im Großstadtdschungel von New York gemacht. Wie immer sind Zweifel angebracht. Denn warum und wie findet man einen Frosch in Manhattan? Bewusstseinserweiternde Substanzen sind bei dem neuen Blick auf die Welt bislang nicht nachgewiesen worden. Die B-Probe bei den Zoologen steht noch aus.

Doch zurück zur neuen Froschung, Pardon: Forschung. Das Tier namens Rana kauffeldi, in TV-Kreisen seit Jahrzehnten als Kermitis Sesamstraßis bekannt, wird erstmals im Fachblatt „Plos One“ exakt beschrieben.

Der Big-Apple-Frosch ist offenbar äußerlich kaum von seinen Artgenossen zu unterscheiden. Deshalb konnte er sich so lange tarnen. Allerdings habe sein Paarungsruf einen nie gehörten Klang unter den Wirbeltieren, schreiben die Experten. Eine Art Großstadtbreitmaul.

Das macht den neuen Frosch wieder so menschlich. Er ist einer von uns. Der Paarungsruf! Die gequälte Großstadtseele jault doch viel schriller in D-Dur als romantisch verträumte Landhühner aus New Jersey. Wenn der New Yorker sich paaren will, klingt das wie eine amerikanische Feuerwehrautosirene. Woody Allen hat ganze Filme daraus komponiert.

In der kalten Hektik der Straßenschluchten muss man so manche Kröte schlucken. Bis sie die ausreichende Zahl an halbwegs erfolgversprechenden Fröschen geküsst hat, sucht die schmachtende New Yorkerin keinen Lover mehr, sondern einen Betreuer.

Allen Unkenrufen zum Trotz kann man aus dem Tierreich lernen. Selbst der große Bernhard Grzimek, dessen 13-bändiges Standardwerk über allerlei Getier in keinem Singlehaushalt fehlen darf, musste nach langer Forschung eines Tages umdenken. Sei kein Frosch, sagte eine Grzimek-Anbeterin zu ihm. Und er heiratete seine Schwiegertochter.