SOS, diese Senfautomaten!

Langenscheidt sucht wieder das Jugendwort des Jahres. Ein erster Blick in die Nominierungsliste

Gehst du Schule oder Facebook? Diese von Jugendlichen aufgeworfene Fragestellung mag unvollständig und grammatisch bedenklich klingen, inhaltlich jedoch stimmt sie zuversichtlich. Denn immerhin wird die Option des Schulbesuchs noch in Betracht gezogen. Das Hoffen auf die Jugend scheint also nicht per se vergebens.

Noch viel mehr eindrucksvolle Zeugnisse des gegenwärtigen sprachlichen Entwicklungsstands adoleszenter Menschen sind auf der Internetseite des Langenscheidt-Verlags dokumentiert. Seit 2008 küren die Sprachhüter das Jugendwort des Jahres. Und siehe da, gerade ist die Nominierungsliste für 2014 erschienen. Übersetzt heißt das nichts anderes als: Die Gammelfleischparty (Jugendwort des Jahres2008) ist vorbei. Lass Haare wehen (Na, dann mal los!)! Gönn dir (Viel Spaß)!

Wie man hört, waren bei Langenscheidt auch in diesem Jahr nur die kompetentesten Senfautomaten (Klugscheißer) mit Immatrikulationshintergrund (Studium) im Einsatz, um den zeitgenössischen Jugendjargon zu ent-snowden (entschlüsseln). Immer die FOMO (fear of missing out/Angst, etwas zu verpassen) im Nacken, obamert (abgehört) zu werden oder ewig gleichen SOS (same old shit) herauszufinden. Beim Streben, die Jugend zu verstehen oder ihr wenigstens ansatzweise zu imponieren, reichen jedenfalls schon lange keine Assistempel (Tätowierungen) mehr. Man muss schon etwas mehr tebartzen (teuer investieren), sonst ist man schneller ein Beta (Verlierer) als man „Likegeilheit“ buchstabieren kann.

GOML (get on my level) ist das intellektuelle Gebot der Stunde. Andernfalls heißt es ruckzuck: Hängs (Vergiss es)! Läuft bei dir nicht (Du bist nicht cool)! Im echten Leben wäre diese Einschätzung in etwa so erstrebenswert, wie mit einem Fußpils (Bier für unterwegs) in formschöne Bürgersteigdeko (Hundehaufen) zu treten. Und dazu kann man nur sagen: minus (nein)!

Im November wird das diesjährige Jugendwort gekürt. Bis dahin lautet die Antwort auf die Eingangsfrage: Geh mal lieber Schule!