Vorsicht, Professor surft mit

Forscher finden per Hörsaal-Experiment heraus: Studenten halten sich bei Vorlesungen im Internet wach

Im Saarland sprechen sie ein rätselhaftes Deutsch, aber ihre Wissenschaftler sind helle Leute, stets auf der Suche nach Antworten auf die letzten Fragen. So wollten Professor Armin Weinberger, er unterrichtet an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken das Fach Bildungstechnologie, und seine Doktorandin Vera Gehlen-Baum endlich mal wissen, was in Dreiteufelsnamen die jungen Leute im Hörsaal eigentlich machen, während sich die Kollegen des Lehrkörpers redlich abmühen, Wissen, Begreifen und Analysieren in die Hohlkörper von Studentenköpfen vor ihnen hineinzudozieren.

Das niederschmetternde Ergebnis: Die in ihrem Verhalten beobachteten 86 Studierenden (Studenten darf man nur noch im Saarland sagen, sonst pfuibäh, das Wort) benutzten ihre gezählten 91 Smartphones, Laptops und Tablets, deren Gebrauch ihnen keiner verbietet, ungeniert, und, man glaubt es kaum, meist zu vorlesungsfernen Zwecken.

Vorlesungsnah, das hätten die Forscher, die sich klug, still und unerkannt hinter ihre arglosen Probanden hockten und von dort unauffällig alle 30 Sekunden deren Bildschirme checkten, toll gefunden. Ihren Beobachtungen zufolge aber schrieb nur ein Sechstel der Studierenden die Kathederweisheiten mit oder verfolgte brav die Folien der Präsentationen auf ihren mobilen Endgeräten. Der Rest tat alles dem netzaffinen Menschen Mögliche, sich durch vorlesungszweckentfremdenden Gebrauch ihrer ständigen technischen Begleiter von dem sedierenden Gelaber da vorn nicht in den Tiefschlaf befördern zu lassen. Surfen, Computerspiele, Facebook – was man eben so macht, wenn die Wirklichkeit gerade mal wieder nicht so richtig fesselt.

Apropos fesseln: „Auch wenn der Dozent die Studenten einbindet, ändert das nur wenig an deren Verhalten“, teilt die Website der Saar-Uni betrübt mit. Deshalb wollen die Wissenschaftler jetzt „Methoden entwickeln, die Studenten aktiv in die Vorlesung einzubinden“. Dabei werden sie vor allem deren Hände gut verschnüren müssen.