Der Achttausender-Treppenwitz

Nepals Regierung will Leitern am Mount Everest installieren, um Bergsteiger-Staus zu verhindern

Selbst Reinhold Messner, der alte Yeti-Jäger, wird nicht jünger. Doch mit altersbedingtem Aufstiegsschwächeln hat es nicht zu tun, was unsereins, hier im Flachland, per Nachrichtenagentur als Treppenwitz auf den Schreibtisch kam: Weil es auf dem Weg zum Gipfel des Mount Everest mittlerweile fast so voll ist wie an den Hamburger Landungsbrücken bei Hafengeburtstag und ohne Regen, will die nepalesische Regierung Leitern am berühmten „Hillary Step“ anbringen. Die zwölf Meter hohe, letzte fiese Felsstufe vor dem Gipfel soll damit entschärft werden.

Monatelange Kraxler-Staus, jedes Jahr von April bis Juni, würden sich in Wohlgefallen auflösen. Die ausgebremsten Bergsteiger hatten sich dort gern – ob nun aus Langeweile oder wegen der dünnen Luft, die aufs Hirn geht – die Wartezeit mit gegenseitigem Verkloppen verschönt, manche sind auch auf ihre Lastenträger losgegangen. Beides ist kein richtig feines Benehmen.

Leider allerdings geht es den Bergleiterexperten in der Regierung Nepals wie vielen Gutwilligen: Sie haben ihre an sich ja gute und gut gemeinte Idee nicht komplett durchdacht. Wo Handwerker eh so teuer sind und ein Gipfel wie der Mount Everest garantiert Zuschlag bei der Anfahrt kostet: Warum nicht gleich richtig hinlangen und mehr als nur eine Leiter einbauen? Dann doch lieber gleich einen Treppenlift.

Schön am Geländer entlang auf den Gipfel juckeln lassen, dann hätte man auch die Hände frei fürs Knipsen für Facebook. Die Sherpas könnte man zu Liftboys umschulen, das schont die Bandscheiben. Und am Sitz ist bestimmt auch noch Platz für einen praktischen Kaffeebecherhalter. Das wäre mal Kundendienst! Da würden sich auch alle rüstigen Senioren aus Norddeutschland freuen, die vor erst 30 Jahren schnaufend den schleswig-holsteinischen Bungsberg mit seinen stolzen 168 Metern gemeistert haben und nun ihre Beamtenpension sinnstiftend im Himalaja verballern möchten. Und wieder runter? Kommt man bekanntlich immer. Zur Not sogar zu Fuß.