Karasek

Himmel, Hölle, Hoeneß

Einzig der rheinische Gottesmann Präses Manfred Rekowski spendete evangelischen Trost: „Gott liebt auch Steuersünder.“

Das Mitleid hielt sich in Grenzen, das öffentliche Mitgefühl hatte sich nach dem Urteil in Spott, ja, in Häme verwandelt. Während die Fans noch, als die Steuerhinterziehung sich in einstelliger Millionenhöhe hielt, eine Kommunion der öffentlichen Beweinung veranstaltet hatten, so tauchte unmittelbar nach der Urteilsverkündung im Internet der abgewandelte Fußball-Imperativ auf: „Der Runde muss ins Eckige.“

Der Runde, das war nicht der prall vollgepumpte Ball, sondern der zu Kummerspeck und hitziger Kopfröte neigende Uli Hoeneß. Und das Eckige nicht das Tor, das die Bayern seit Monaten allen Gegnern vollballern, sondern der Knast in Landsberg, von dem „Bild“ die Speisekarte des Urteilstags abdruckte (Linsengemüse, Rindbrühwurst, Trinkmilch), im Kontrast zur Henkersmahlzeit des Ehepaares im Bogenhausener Hof (Champagnersuppe mit Jakobsmuschel), und erinnerte, dass hier einst ein gewisser Adolf Hitler eingesessen habe – damals noch Festungshaft und kein Freigänger. Wird der Hoeneß auch sein Buch abfassen: „Mein Kampf – gegen die Steuerbehörden“? Die „FAZ“ zeigte auf der Titelseite ein Bayern-Trikot mit dem Sponsor „Finanzamt“. Und „Bild“ das „Hoeneß-Hemd“ mit den Knastjahren 3,5 als Rückennummer. Harald Schmidt, mit seiner Sky-Show in der Schlusskurve, staunte lauthals über die Hinterziehungsrekordsumme: „27 Millionen Euro! Dafür hätte Hoeneß Christian Wulff 36.000-mal zum Oktoberfest einladen können!“ Und fragte dann: „Wo muss er eigentlich einsitzen? Doch wohl nicht auf Robben Island!“ Gott sei Dank nicht! Gott sei Dank bleibt er in Bayern!

Einzig der rheinische Gottesmann Präses Manfred Rekowski spendete evangelischen Trost: „Gott liebt auch Steuersünder.“ Um Gottes willen, Herr Pfarrer! Dem widerspricht allerdings das Bibelwort des Heilands, der da sagt (Matthäus 29,24): „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt.“ Doch zum Glück hat die „SZ“ ausgerechnet, dass das Nadelöhr sich weit öffnen kann, vom Engen zum Eckigen: „Hat Hoeneß alle Steuerschulden bezahlt, ist er ein armer Mann!“

Na dann! Der Himmel wieder offen. Zum Büßer der Steuersünder schon gewandelt. Er verzichtet auf Revision und tritt seine Strafe an.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonnabend im Hamburger Abendblatt