Glosse

Küchenduft per App auf dem Smartphone

Eine neue App für den Appetit: Mit dem iPhone lässt sich dank künstlicher Aromen jetzt auch Küchenduft aktivieren

Der Apfel aus dem Paradies hat einen Namen: iPhone. Erst jetzt wird klar, warum das Apple-Logo angeknabbert aussieht. Der eigentliche Sinn des Smartphones ist nämlich nicht das Telefonieren, Simsen, Facebooken und WhatsAppen – das Handy ist Teil des Welternährungsprogramms. Apple hat das von langer Hand vorbereitet.

Das Zischen der Bratpfanne und den Geruch von angebratenem Frühstücksspeck können ausgewählte Testpersonen nun mit einer App für das iPhone hören und riechen. Oscar Mayer, ein Unternehmen des Lebensmittelkonzerns Kraft, hat die Bacon-Duft-App entwickelt. Man muss allerdings in den sauren Apfel beißen und ein Aroma-Zusatzgerät in die Kopfhörerbuchse des Smartphones stöpseln. Sonst kann man hinterher nicht sagen, man habe das Braten gerochen. Die App-App (Appetit-Application) eignet sich ideal für die Fastenzeit: Man schnuppert nur und nimmt dabei ab – wenn man abgebrüht genug ist. Auch für Veganer, die tierisch gut drauf sind, ist das eine dufte Sache: Tofu-Lust mit Fleischesduft.

Neu ist das künstliche Aroma nicht. In Supermärkten sorgt Duftmarketing dafür, dass der Kunde glaubt, er steht im Wald. Erdbeer-Joghurt kommt ganz ohne Erdbeeren aus. Duschgels tragen Namen, die Melone versprechen, ohne dass Melone drin ist, weil es unter der Brause zu eng wäre. An „Wunder der Sahara“ ist kein Körnchen Wahrheit, es wird nur Sand in die Augen gestreut. Und Dürrenmatt ist keine Lotion für samtene Haut schlanker Frauen.

Naseweise, wie Duftexperten auch genannt werden, arbeiten bereits am Geruchsfernsehen. Sendungen, die sinnlos erscheinen, sprechen künftig alle Sinne an. Zum Beispiel, wenn Tim Mälzer sein ausgekochtes Schlitzohr auftischt, Til Schweiger Hektoliter an Blut vergießt und Rosamunde Pilcher Süßholz raspelt.

Andererseits können Fernsehzuschauer unliebsamen Moderatoren dann wahrheitsgemäß mitteilen: „Verdufte!“