Gar nicht so faul, diese Tiere

Na dann Mahlzeit: Faultiere züchten Algen in ihrer zotteligen Körperbedeckung und ernten sie. Ach ja, die Motten haben sie auch noch

Bei Menschen passiert es eher zufällig. Da hat sich, so scheint es, ein winziger Krümel des Frühstücksbrötchens im stattlichen Bart des meist nicht minder stattlichen Kerls verfangen. Und beim Ausschütteln fällt ein Brotlaib heraus, der eine achtköpfige Familie für eine Woche ernähren könnte. Hoppala!

Bewegt sich das Mannsbild dann auch noch ausgesprochen langsam, liegt die Bezeichnung als Faultier auf der Zunge. Doch Vorsicht: Bei die Selbstversorgung aus dem eigenen Pelz macht den südamerikanischen Säugetieren keiner so schnell etwas vor. Und sollte Ihnen das jetzt schon den Appetit verderben, dann lassen Sie sich gesagt sein: Forscher kennen keine Gnade.

Die Wissenschaftler der University of Wisconsin-Madison sind den Meistern des Abhängens nicht nur auf den Grund gegangen, sondern auch mit ihnen vom Baum gestiegen. Das tun Dreifinger-Faultiere einmal wöchentlich, um das loszuwerden, was von ihrer Blättermahlzeit übrig bleibt. Oder vom Naschen der Algen, angebaut in ihrem eigenen Pelz. Nun wäre es weitaus einfacher und weit weniger gefährlich, die Notdurft einfach aus luftiger Höhe auf den Boden aller Tatsachen fallen zu lassen. Denn ebenerdig sind die ungeschickten Vierbeiner recht wehrlos.

Aber: Was tut man nicht alles für seine Mitbewohner. Wer schon Algen Unterschlupf gewährt, dem sind auch tierische Gäste willkommen. Und so schaukelt ein Haufen Motten gemütlich im Filz der Ameisenbären-Verwandten durchs Blätterdach. Und bringt dafür – Miete muss sein! – Stickstoff- und Phosphorverbindungen ins Fell ein, die den winzigen Algen als Nahrungsgrundlage dienen, wie die Forscher herausfanden.

Weil sich alle in dieser Ménage-à-trois so lieb haben, nehmen die Faultiere dafür den Abstieg in Kauf, denn die Mottenlarven entwickeln sich nur prächtig in den Hinterlassenschaften der Hängegärtner. Gar nicht so faul, diese Tiere. Vergessen Sie das nicht, wenn Sie den nächsten Bartträger anlächeln.