Tuten und Blasen

Frauen sollten nicht dirigieren, weil sich Männer dann im Ton vergreifen. Sagt ein Dirigent

Auch wenn Männer es nicht wahrhaben wollen, gehören Frauen zum guten Ton. Wenig hilfreich ist die Einschätzung maskuliner Wesen, Frauen hätten keine Ahnung von Tuten und Blasen – sofort ist der Blechschaden da. Im Spannungsverhältnis von Mann und Frau ist immer Musik drin. Männer taxieren ja auch gern Frauen und geben ihnen Noten – aber nur, damit sie im Konzert mitspielen dürfen. Mit Pauken und Trompeten sind wir nun unmittelbar in den Orchestergraben gerasselt.

Am Wochenende drohte dem britischen Empire ein Untergang in d-Moll, was die Kurzform für Demolierung ist. In der Londoner Royal Albert Hall war auf der Bühne ein klassischer One-Night-Stand zu sehen und – piano, please – zu hören. Mit einer Maestra am Dirigentenpult. Zum ersten Mal in der Geschichte der Last Night of the Proms koordinierte eine Frau Fiedler und Fagottisten. Marin Alsop gab sich taktvoll. Das Publikum tanzte begeistert nach ihrer Pfeife. Das wäre kaum bemerkenswert, wenn nicht ein gewisser Vasily Petrenko für null Frauenquote am Pult wäre. Petrenko, selbst Dirigent, meint, dass Männer im Orchester unter dem Fuchteln einer Dirigentin zu sehr abgelenkt würden und sich gern mal im Ton vergreifen könnten. Bei einem „hübschen Mädchen am Dirigentenpult“, so posaunte er hinaus, würden Männer „über andere Dinge“ nachdenken. Wenn „weniger sexuelle Energie“ mitschwänge, könne sich das starke Geschlecht besser auf die Musik konzentrieren. Es ist also zu befürchten, dass ein zartbesaiteter Geiger beim Anblick einer Dirigentin wie gefrorene Butter erstarrt und nicht mehr streichfähig ist.

Es gibt allerdings eine Kehrseite. Frauen können den Bogen nämlich auch überspannen. So mancher Mann bekommt keinen Ton mehr heraus, wenn die Frau den Taktstock schwingt, die erste Geige spielt, gleichzeitig auf die Pauke haut und ihm den Marsch bläst. Und nach einem furiosen Crescendo applaudieren obendrein Zuhörerinnen, die ganz hingerissen sind von der Darbietung – und sogar noch „Bravo!“ rufen.