Erfolgreich kann ja jeder

Scheitern als Chance: Eine Universität vergibt „Anti-Streber-Stipendien“ an Lebenslauf-Verstolperer. Der Andrang ist gewaltig

Einmal mehr aufstehen, als man hinfällt. So einfach ist das mit der Karriere im Leben. Obwohl man ja in jedem Büro und in jeder Abteilung herausragende Beispiele für das „Peter-Prinzip“ findet, das besagt, Führungskräfte werden bis zum Erreichen ihrer absoluten Unfähigkeit nach oben befördert – es gibt nichts Vielversprechenderes für den Weg zum Erfolg als eine amtliche Bruchlandung. Ohne Stolpersteine auf diesem Weg kommt selbst der größte Depp beim Lebenslauf ins Ziel.

Um diesen Nachteilen, die letztlich Vorteile sind, gerecht zu werden, hat sich die private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen „Anti-Streber-Stipendien“ in zwölf Kategorien ausgedacht. Für Ausbildungsabbrecher, Gründungspleitiers, Nerds (also Menschen ab etwa 600 Facebook-Freunden), Studienabbrecher, Legastheniker, Dyskalkuliker, Studierende mit Zuwanderungsgeschichte oder Ehrenrundendreher beispielsweise. Die offizielleren Namen des Angebots: Diversitätsstipendien, oder Stipendien fürs Anderssein. Von „Erfahrungen jenseits des Erfolgs“, die zur Vielfalt einer Elite-Uni beitragen können, ist in der Begründung die Rede, und von „exzellenten Exoten“. Und das ist, verglichen mit anderen Brausewörtern von Personalseelen-Masseuren, eine geradezu poetische Umschreibung für das Glück, hin und wieder (aus welchen Gründen auch immer) kein Glück gehabt zu haben.

Bis Mitte November sind noch Bewerbungen, vor allem für Wirtschaftsorientiertes, möglich. Und da bekanntlich niemand perfekt ist, wird die Uni seit Monaten mit Bewerbungen geflutet.

Wirklich perfekt wäre die Sache allerdings erst, wenn nicht nur die Studenten, sondern auch die Lehrenden mit Dellen in der Vita aufwarten würden. An Praktikern für diese Aufgaben herrscht ja kein Mangel hierzulande. Falls schon wieder Züge von Mainz abfahren, könnte jemand von der Bahn kommen. Und wenn das nicht klappt, auch kein Problem. So ziemlich jeder Arbeitnehmer sollte mühelos Kandidaten aus dem eigenen Umfeld nominieren können, die beweisen, dass Scheitern keine Karrierebremse sein muss.