Das Pjöngjang-Phone

„Beste Handhabung für die Nutzer“: Kim III. präsentiert Nordkoreas Antwort auf Apple und Samsung

Ein Witz beschreibt die unterschiedlichen Spielarten des real existierenden Sozialismus so: Wenn in der DDR ein Zug liegen blieb, hat Genosse Ulbricht dafür gesorgt, dass eine Ersatzlokomotive herangeschafft wird. Väterchen Stalin hätte im gleichen Fall einfach 1000 Zwangsarbeiter losgeschickt, die die Waggons weitergezogen hätten. Die rote Sonne Mao wiederum hätte 10.000 Bauern an die Gleise beordert, die am Zug rütteln mussten, damit die Fahrgäste glaubten, es ginge weiter.

Die treuesten Erbwalter Maos und Stalins herrschen in Nordkorea und pflegen die unschönen Traditionen der verblichenen Diktatoren. Auch im Zeitalter von Mikroelektronik und Massenkommunikation. Wobei im Reich der Kims der Propaganda eindeutig Vorfahrt gegenüber der Kommunikation eingeräumt wird. So sind sich die Fachleute ziemlich einig, dass ein von Kim Jong-un gerade stolz präsentiertes Smartphone eher aus chinesischer als wie behauptet aus nordkoreanischer Produktion stammt. Nicht geschummelt dürfte Kim III. mit seiner Aussage haben, das Gerät garantiere „die beste Handhabung für die Nutzer und zugleich höchste Sicherheit“. Sicherheit gibt es – wie wir dank der Abhörspezialisten der NSA wissen – nur, wenn man sich fern der weltumspannenden Netze hält. Und das ist in Nordkorea auch weiterhin garantiert. Zwar gibt es seit 2002 Mobilfunk, und manche Ministerien und Firmen haben eine eigene Homepage. Einen Anschluss ans WorldWideWeb gibt es aber nicht, denn das Weltbild der Untertanen soll weiter allein vom Politbüro geformt werden.

So dürften die schönen neuen Smartphones vor allem für einige wenige Funktionäre als Apparat zur Weitergabe der hauseigenen Propaganda sowie zum Empfang von Befehlen dienen. So wie auch der jüngst vorgestellte Tablet-PC nicht internetfähig ist und deshalb am besten als Tablett genutzt werden kann. Nordkorea verharrt im Stadium des Intranets, und auch die stolzen Besitzer der neuen Hightech-Produkte dürfen weiterhin nur die Illusion haben, es ginge mit ihrem Land voran.