Albeito aus Deutschland

Japanischer Rentner verklagt Staatsfernsehen – wegen zu vieler ausländischer Begriffe

Hoji Takahashi klingt für unsere Ohren ein wenig gnadenlos. Dabei ist das nur der Name eines japanischen Rentners, stolze 71 Jahre alt, dem die vielen ausländischen Wörter im Staatsfernsehen auf den Keks gehen und der darin keine Glücksbotschaft erkennt. Deshalb fordert er umgerechnet 12.000 Euro „Schadenersatz wegen seelischer Belastung“, präzisierte sein Anwalt.

Die Begründung klingt näher als Fernost. Denn auch hierzulande wird mancher dem aufgebrachten Takahashi beipflichten: Was über heimische Sender in die gute Stube tönt, ist so voll von „Matsch“-Englisch-Kauderwelsch, dass hier wie dort tief stoßgeseufzt wird: „Ich versteh das nicht.“ Da sind die von Japans reicher Sprache aufgesaugten Fremdwörter wie „Conpyutaa“ für Computer oder „Albeito“ für Arbeit nicht mal mitgerechnet. Letzteles Wolt aus dem Deutschen steht in Japan übrigens für billige Gelegenheitsjobs, zwei Begriffe, die zwar ein wenig lang, aber wegen des fehlenden Buchstabens „r“ eigentlich passender entlehnt worden wären.

Mit seiner Klage will Takahashi die Öffentlichkeit für traditionelles Japanisch gewinnen. Ist das Harakiri? Oder Kamikaze? Hat Bushido (wörtlich: Weg des Kriegers) was damit zu tun? Sollte sich der Alte nicht lieber auf einem Futon ausrollen, Trost bei einer Geisha suchen oder im Sake?

Wer im Alltag genau hinhört, dem kommt die eigene Muttersprache kaum zu Ohren, egal wo auf der Welt. Selbst die urjapanische Tugend Karaoke ist nur halb Japanisch. Kara heißt leer, oke jedoch ist die Abkürzung für das englische orchestra (Orchester).

Dass Japanisch ausstirbt, muss niemand fürchten. Dank Tenno, Soja, Sushi und Sudoku rasen Wortfetzen wie Tsunamis um den Globus – ebenso wie auch deutsche Botschaften. So waren selbst die Sprachästheten des Goethe-Instituts verblüfft, als sie nach deutschen Wörtern im Ausland fahndeten: 6000 kamen zutage. So ist „kaputt“, wenn in Quebec was am Ende ist. Und in Tansania heißt der Zustand in Narkose „nusu kaput“, laut Wortsinn „halb kaputt“.