Die Bananenschale der Deutschen Bahn

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Hellmuth Karasek

Winterkatastrophe mit Vorankündigung - die Herrscher der Züge wissen jetzt schon, dass wieder alles schiefgehen wird

Der "Klassiker" der Slapstick-Komik ist der Ausrutscher auf der Bananenschale.

Er ist ein Affront gegen den "aufrechten Gang" und die Würde des Zweifüßlers. Man sieht einen Menschen, der selbstzufrieden und selbstbewusst stolziert, mit Zylinder und Stöckchen oder sogar auf der Balz, auf Freiersfüßen, wie er hochnäsig die Bananenschale übersieht - und plautz! liegt er auf der Schnauze bzw. auf dem Hintern, und aus ist es mit Würde, Überlegenheitsgefühl, Machogehabe.

Der "Klassiker" der Witzprojektion des Trieb-Werks Mann ist der Blondinenwitz: Sie, das hochhackige, hochgepresste, kurvige Dummchen, muss schuld sein, dass Männer fallen - auch ohne Bananenschale.

Es gibt aber eine Kombination: Eine Blondine stöckelt die Straße entlang, sieht eine Bananenschale und denkt laut: "O Gott, über die werde ich gleich stolpernd zu Boden stürzen."

Wir sind bei der Deutschen Bahn. Ihre Bananenschale ist der Winter. Jedenfalls wenn er bevorsteht. Jetzt, da vorgezogene Herbststürme das Land durchbrausten, dachte die Bahn: O Gott! Der nächste Winter kommt! Bestimmt! Er naht. Und da werden wir abstürzen. Eis, Schnee, zu wenig Züge! Verspätungen, Zugausfälle. Verärgerte, vergrätzte Nahverkehrskunden, Fernverkehrsreisende mit roten Rotznasen auf zugigen Bahnsteigen!

Was tun? Mehr Züge, neue Züge! Kurz vor dem Sommerschluss fand die Bahn die Bananenschale auf der Strecke: Bombardier kann nicht genug Nahverkehrszüge bieten und Siemens keine neuen ICE, während die alten noch in Schockstarre von den letzten Wintern im Siechtum gammelnd verharren.

Also sagten auf einer Pressekonferenz Verkehrsminister Ramsauer und Bahnchef Grube wie die Blondine: Wir werden scheitern. Am Winter. Nix zu machen. Wir basteln schon an eleganten Schaffnerentschuldigungen. Bek your pardon, sänk you for your underständink!

Aber da war doch noch was! Der Sommer, die Klimakatastrophe! Neben dem Winter die "Bananenschale Nr. 2". "Public enemy of German Bahn!" Bei 30 Grad fallen die Klimaanlagen aus. Und ehe die dem Hitzetod Entgegenschwitzenden die Scheiben zertrümmern, werden sie auf freier Strecke ins Freie ausgesetzt. Warum war das im Sommer diesmal glimpflich? Ganz einfach, weil wir ihn ausfallen lassen haben, nach der Logik: keine Banane, keine Bananenschalen.

Nun arbeitet die Deutsche Bahn mit der Hochgeschwindigkeit, die ihren Zügen bald fehlen wird, fieberhaft an dem Projekt 2011/2012: Es heißt: Ausfall des Winters.

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