Europa

Hollands Wolkenkuckucksberg

Das ist der Gipfel: Niederländer träumen vom 2000 Meter hohen künstlichen Felsen im platten Land.

Wir lieben unsere niederländischen Nachbarn für ihren mittelalten Käse, für ihre Windmühlen und Tulpenfelder, ihre sympathische Königsfamilie, Fernsehshowmaster und den einen oder anderen HSV-Fußballimport. Und, als Norddeutsche, mögen wir natürlich ihre überschaubare Topografie. Auf Deutsch: das platte Land, von Kuhfladen zu Kuhfladen.

Mindestens ein Holländer sieht das anders. Thijs Zonneveld, ein ehemaliger Radrennfahrer, wurde jahrelang von tiefer Trauer erfüllt, wenn er im Fernsehen Bilder von einer Bergetappe in Alpe d'Huez oder von der Lauberhorn-Abfahrt sah. Skiläufer, Bergsteiger und fliegende Holländer als Drachenpiloten gibt es hier nicht. Das, sagte Zonneveld, der als Autor sein Geld verdient, "ist eine Katastrophe". Also veröffentlichte er in einer Kolumne seinen Traum: Ein Berg muss her! Und zwar kein Hügel wie der 323 Meter hohe Vaalserberg im Limburgischen, Hollands Gipfel, oder der acht Meter hohe Leuchtturmhügel in der Provinz Flevoland. 2000 Meter hoch muss er schon sein, ein Trumm von einem Felsen, am besten aus massivem Stahlbeton. Sportgelände und Naherholungsgebiet in luftiger Höhe.

Ob der Berg in Orange leuchten soll und am Ende gar Käskoppe heißt, wissen wir nicht. Und was der ganze Spaß kostet, auch nicht. Aber wir stehen ja erst am Anfang. Jeder Felsen hat mal klein angefangen.

Das Kunstgebirge am Polder muss kein Wolkenkuckucksberg bleiben. Schon wird über Zonnevelds Idee im ganzen platten Land eifrig diskutiert. Schließlich haben die Niederländer jede Menge Erfahrungen in Sachen Landgewinnung. Ihre halbe Fläche haben sie dem Meer abgetrotzt. Und richtet nicht auch die russische Sommerfrische Sotschi am Schwarzen Meer demnächst Olympische Winter(!)spiele aus?

Einen unschätzbaren Vorteil hätte der Oranje-Berg: Wenn der Klimawandel eines Tages die Nordseeküsten verschlingt, gäbe es in luftiger Höhe für ein paar Holländer neuen Lebensraum. Man muss nur daran glauben. Denn das versetzt bekanntlich Berge.

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