Monopoly

Schlange stehen in der Schlossallee

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Das rote Monopoly. Wie ein neues Brettspiel die jungen Polen an schwere Zeiten erinnert.

Was macht ein DDR-Bürger, wenn er eine Schlange sieht? Richtig, er stellt sich hinten an. Zugegeben, der Witz ist alt. Der SED-Staat samt Mangelwirtschaft ist vor gut 20 Jahren verblichen, und auch die ehemaligen Bruderländer sind längst in der Marktwirtschaft angekommen. Und zwar so gründlich, dass zum Beispiel das Nationale Institut für das Gedenken in Polen die Zeit für gekommen hält, die junge Generation an die Zeiten leerer Regale und voller Versprechungen auf eine leuchtende Zukunft erinnern zu müssen. Selbst eine Flasche Bier gab es in polnischen Gaststätten in den Jahren des Kriegsrechts nur bei gleichzeitigem Verzehr eines hart gekochten Eies. Trotzdem waren oft schon mittags die Biervorräte aufgebraucht. Vom Mangel an wichtigen Alltagswaren ganz zu schweigen.

Am 5. Februar kommt eine neue Version des guten alten Gesellschaftsspiels "Monopoly" in die übervollen Läden. Es trägt den bezeichnenden Namen "Kolejka", zu Deutsch Warteschlange. Die Spieler sollen Lebensmittel einkaufen, doch die Vorräte sind bereits aufgebraucht, wenn sie die Kasse erreichen. Wenn sie ein Bett benötigen, wird ihnen lediglich ein Hocker angeboten. Und im Schuhgeschäft schnappt ihnen jemand mit besseren Beziehungen das letzte Paar vor der Nase weg. Das Spiel solle jungen Leuten zeigen, wie schwer das Leben ihrer Eltern und Großeltern vor dem Ende des Kommunismus 1989 gewesen sei, sagte Karol Madaj vom Gedenk-Institut.

Mit gewissen Spielkarten kann man sich vordrängeln, und auch die "Kollege in der Regierung"-Karte verschafft Vorteile. Sozialismus ohne Beziehungen war halt wie Kapitalismus ohne Geld. Und sollte das Brettspiel tatsächlich einmal vergriffen sein, werden Hersteller und Handel rasch für Nachschub sorgen - auf keinen Fall wird ein Mangel am Mangel-Spiel entstehen.