Karasek

Ein Fall für Münchhausen

Einerseits warnen die Uno-Experten vor der Klimaerwärmung. 2010 könnte zum wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Es müssten nur noch die paar Tage im Dezember abgewartet werden. Da können wir in Deutschland den Weltmeteorologen der Uno keine Hoffnung machen, denn bei uns herrscht - andererseits - der kälteste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein "Jahrtausendwinter" war Anfang Dezember zu lesen. Dabei ist der Winteranfang noch gar nicht da, der beginnt erst am 21. Dezember, wenn auch nur kalendermäßig und nicht meteorologisch, und das Jahrtausend ist noch nicht mal zwölf Jahre alt, also sprechen wir im Jahr 2998 noch mal darüber, ob's ein Jahrtausendwinter war, abgemacht!

Bis dahin wird das Klima ohnehin in Fußballstadien nach Katar verlegt sein, wo man 50 Grad auf 25 runterkühlen wird, energiesparend, versteht sich. Und dann wird es ohnehin global egal sein, ob in China ein Sack Reis umfällt oder in Deutschland noch die Linde rauscht. Den Kälterekord im vergangenen Jahrtausend, bevor es Messungen gab, hat jedenfalls Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen in seinen zu Recht sogenannten Münchhausiaden festgehalten, der 1740/1741 in russischen Kriegsdiensten mit der Postkutsche im Baltikum einen Kälterekord unvorstellbaren Ausmaßes akustisch erlebt und aufgezeichnet hat.

Er fuhr mit dem Kutschschlitten durch eine sibirische Kälte, und der Postillion, Kutscher und Schaffner und Bordmusikant in einem, saß vorn auf dem kalten Bock, dort, wo im Lied des Altbundespräsidenten Scheel der "Schwager" hoch auf dem gelben Wagen sitzt. Der Schwager! Damals keine Vettern-Wirtschaft, sondern eine Berufsbezeichnung. In der Kälte aber schmetterte das Horn nicht fröhlich, sondern blieb stumm, so kalt war es. Erst Stunden später, der Schwager hatte sein Horn hinter den Kachelofen zum Pelz gehängt, taute es in der Kneipe auf, jetzt ertönten die schönsten Posthorn-Melodien und -Weisen. Die Verspätung war größer als die von ARD-Afghanistan-Korrespondenten. Gemessene Kältezeit zweieinhalb Stunden, Tauperiode 20 Minuten bei Kachelofennähe. Aber Münchhausen konnte notfalls auch auf einer Kanonenkugel reiten. Heute passiert das nicht mehr. Kachelöfen gibt es kaum noch. Heute frieren dafür die eisharten Weichen der Deutschen Bahn bei Kälte ein. Und tauen erst im Sommer auf, um die Klimaanlagen der ICE-Züge in Saunen zu verwandeln. Das wiederum hat ein Grünen-Politiker Stuttgart 21 zugeordnet. Denn dafür haben die die Milliarden, die bei den Weichenerwärmungsanlagen fehlen! Baron Münchhausen, übernehmen Sie!