Dividende statt Gotteslohn

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Johann Sebastian Bach hat nicht nur komponiert, sondern auch spekuliert

Künstler und Geld. Aber bevor schon jetzt die ersten hämischen Kommentare von Besserverdienern zu diesem Thema kommen - von wegen. Gerade unter Komponisten gab es erstaunlich geschäftstüchtige Cleverles, die ihr Talent in klingende Münzen verwandelten. Besonders Raffinierte, allen voran das Pump-Genie Richard Wagner, machten dabei auch nicht vor dem Baren anderer halt.

Dass der Thomaskantor Johann Sebastian Bach keineswegs nur für schönen, aber kaufkraftarmen Gotteslohn arbeiten wollte, ist bekannt. Ein Blick ins Kantaten-Verzeichnis liefert kleine Anspielungen auf Geldthemen: Nr. 135 heißt "Ach Herr, mich armen Sünder", Nr. 168 "Tue Rechnung! Donnerwort". Bach beklagte sogar, die Luft in Leipzig sei so gut geworden, dass deswegen weniger Menschen sterben und ihm deswegen die Einkünfte aus den "Leichenmusiken" wegbrechen würden. So weit, so knauserig, dachte man.

Jetzt aber hat ein Gewandhausmusiker Dokumente entdeckt, die Bach zum Vorläufer heutiger Investmentbanker machen. Zweimal, 1741 und 1746, hat er mit Anteilen an einem Silberbergwerk im sächsischen Freiberg spekuliert. Beim zweiten Anlauf hat Bach 60 Taler angelegt, ein Betrag, der heute einer mittleren vierstelligen Euro-Summe entsprechen soll. Bach wusste also sehr genau, wo seine Grenzen waren - und lag damit so falsch nicht: Letztlich war das Ganze ein Verlustgeschäft. Wildes Zocken also war nicht so seins. Womit wir mitten in der Gegenwart wären. Denn auch für Dirk Jens Nonnenmacher, den Chef der HSH Nordbank, finden sich geeignete Kantaten im Bach-Bestand. Nr. 5 beispielsweise, "Wo soll ich fliehen hin?", oder Nr. 27 "Wer weiß, wie nahe mir mein Ende". Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" kann da nicht mithalten. Das wären nur Peanuts.