Kolumne

Honigfalle fürs Vaterland

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Israels Agentinnen sind erleichtert. Rabbi erlaubt Sex "zum Wohle der nationalen Sicherheit".

Für Franz Kafka waren Frauen "Fallen, die den Menschen von allen Seiten belauern". Nur gut, dass er als Schriftsteller reüssiert hat; als Gleichstellungsbeauftragter wäre seine Karriere wohl weniger glänzend ausgefallen.

Allerdings sind Frauen als Männerfallen ein historisch verbrieftes Phänomen; die Natur hat sie bekanntlich mit gewissen Lockmitteln ausgestattet. Der israelische Geheimdienst Mossad, dessen wohl bewusst, setzt Agentinnen gern als "Honigfallen" ein, wie der anschauliche Fachbegriff lautet. Derart süße Fallen sollen sowohl bei der Überführung des Atomspions Mordechai Vanunu 1980 als auch bei der Liquidierung des Terrorführers Mahmud al-Mabhou im Januar in Dubai eine entscheidende Rolle gespielt haben. Doch litten streng religiöse Agentinnen bislang offenbar unter heftigen Gewissensbissen. Hier hat nun der Rabbi Ari Shvat in einem entlastenden Gutachten mit dem Titel "Verbotener Sex zum Wohle der nationalen Sicherheit" Abhilfe geschaffen.

Kernaussage: Agentinnen dürfen durchaus mit Staatsfeinden intim werden - sofern sie dabei an wichtige Informationen gelangen, die die Sicherheit Israels stärken. Allerdings erteilt der Rabbi den Männern verheirateter Honigfallen den etwas sperrigen Rat, sich vorher scheiden zu lassen und das Ex-Weib nach vollbrachter Tat wieder zu ehelichen. Und er gibt dem Mossad die erfrischend praxisnahe Empfehlung, vor allem solche Frauen einzusetzen, die ohnehin zu sexueller Zügellosigkeit neigen. Als biblisches Orientierungsmodell nennt Ari Shvat die Jüdin Esther, die mit Perserkönig Xerxes ins Bett stieg, um ihr Volk zu retten.

Manchmal allerdings geht sexuelle Spionage-List gründlich schief. So drehte der US-Geheimdienst CIA 1965 angeblich einen Pornofilm, der einen Doppelgänger des indonesischen Präsidenten Sukarno im Bett mit einer Schar Prostituierter zeigte. Die in erotischen Belangen eher moralinsauren Amerikaner dachten, Sukarno damit erpressen zu können. Doch der zeigte den Film überall begeistert herum - als Beweis für seine unbeugsame Männlichkeit.