Bundeswehr

Bitte husten

Foto: dpa / dpa/DPA

Minister Guttenberg mustert die Musterung aus - Erinnerungen an ein Männlichkeitsritual.

Nach 30 Jahren ist die Zeit reif für ein Geständnis: Ja, ich habe betrogen. Als mildernde Umstände kann ich nur geltend machen, dass dieses Delikt in jenen Tagen tausendfach verübt wurde. Uns einte ein großes Ziel: Wir wollten nicht zum Bund.

Die Operation lief unter dem Codewort "T5" - jene (Un)Tauglichkeitsstufe, die vom Wehrdienst automatisch befreite. In den Wochen vor der Musterung glich der Pausenhof dem Hörsaal einer medizinischen Fakultät. Diagnosen von "Ich hab Rücken" über "Meine Plattfüße machen mich fertig" bis zu "üblem Schweißgeruch" wurden im Hinblick auf Tauglichkeitsstufen erbittert diskutiert. Nur zwei standen im Abseits. Der Streber von der Jungen Union mit dem Drang zur Verteidigung des Vaterlandes. Und ich mit meinem ultimativen Augen-Joker. Rechts minus 7,75 Dioptrien, das sollte doch nun für T5 wirklich reichen.

Entsprechend entspannt begab ich mich zur Musterung ins Kreiswehrersatzamt meiner emsländischen Heimat. Auf knarzigem Linoleum ließ ich sogar die berüchtigte "Bitte husten"-Untersuchung, vulgo "Eier-Kontroll-Griff", zum Ausschluss eines Leistenbruchs über mich ergehen. Millionen Männer wissen, was gemeint ist.

Als ich am Ende vor eine Kommission treten musste, hatte ich nur eine Sorge. Wie unterdrücke ich den Triumphschrei über die "T5"-Botschaft? Diese Sorge wich jähem Entsetzen, als der Vorsitzende das Urteil "T2" fällte. Untauglich, erklärte er dann, und Sarkasmus tropfte aus seiner Stimme, untauglich sei man erst ab minus 8 Dioptrien. Eine lächerliche Vierteldioptrie trennte also Studentenbude von Kompanie-Schlafsaal. War es der Schock? Jedenfalls fand ich mein Panzerglas rechts irgendwie nicht mehr ausreichend. Ein Augenarzt sah es zum Glück genauso - der fristgerecht eingelegte Widerspruch hatte Erfolg.

Wie gesagt, 30 Jahre habe ich geschwiegen. Jetzt kann ich es erzählen. Denn die Musterung hat ausgemustert.