Sozialismus

Ochs und Esel und Oliver North

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Politiker machen den "Sozialismus" platt - das hat unser Philosoph aus Trier wirklich nicht verdient.

"Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf" waren die letzten berühmten Worte Erich Honeckers als DDR-Staats- und Parteichef. Er hat recht behalten.

Unaufhaltsam breitet sich der Geist von Marx, Engels und Lenin auch in der westlichen Welt aus. Allerdings anders als vom Genossen Honecker gedacht. Denn statt des Siegeszuges der klassenlosen Gesellschaft ist lediglich die Verwirrung des Klassenfeindes zu beobachten. Bayerns Sozialministerin (!) Christine Haderthauer etwa hatte die FDP einer "sozialistischen Familienplanung à la Pinochet" bezichtigt. Doppelt irre! Weder sind die Liberalen auch nur im Entferntesten dabei, nach Sozialistenart Geld mit der Gießkanne unter Familien zu verteilen - eher das Gegenteil ist der Fall -, noch hatte Chiles ultrarechter Diktator Augusto Pinochet etwas mit Sozialismus zu tun. Außer, dass er dessen Anhänger verfolgte, einsperrte oder gleich umbringen ließ.

Mittlerweile hat das Virus den Atlantik übersprungen. Die große Hoffnung des rechten Flügels der US-Konservativen, Sarah Palin, hatte sich mit Oliver North einen besonderen Gast zu einer Veranstaltung geladen. Er war eine zentrale Figur der Iran-Contra-Affäre Mitte der 80er-Jahre. Mit geheimen Waffenverkäufen an den Iran wurden damals die rechtsgerichteten Contras in Nicaragua für ihren Kampf gegen die sandinistische Regierung finanziert. Da kann man im Kopf schon mal durcheinanderkommen. North verkündete nun, die Regierung in Washington führe das Land geradewegs in den Sozialismus.

Da tut der wackere Kommunistenfresser North nicht nur Barack Obama bitter unrecht. Auch unser Philosoph aus Trier hat es nicht verdient, dass seine Werke vom "Kommunistischen Manifest" bis zum "Kapital" auf ein plattes Schimpfwort für alles und jedes, was nicht der eigenen politischen Überzeugung entspricht, reduziert werden.

Und wer seine Feinde nicht kennt, kann sie auch nicht effektiv bekämpfen. Deshalb Achtung: Fidel Castro lauert schon um die Ecke: "Socialismo o muerte!" Sozialismus oder Tod!