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Christoph Rind (Dr. phil.)

Beim Online-Dealer Groupon kostet der akademische Titel 39 Euro. 3900 haben ihn schon gekauft

Ein Doktortitel für 39 Euro: Das ist schon ein Schnäppchen. Zumal Ernennungsurkunde samt Versand inklusive sind. Selbst der ursprüngliche Preis (150 Euro) klingt noch verlockend - beim Online-Rabattdealer Groupon. Aber vielleicht hätten bei Letzterem nicht gleich 3900 Käufer den "kirchlichen Ehren-Doktor der Miami Life Development Church" angeklickt. So viele waren es bis gestern Abend. Wahlweise wird zum "Doctor" (mit "c") preisgleich ein "Professor" feilgeboten. Wen stört schon der verräterische Zusatz h. c. (honoris causa = ehrenhalber)? Der sollte allerdings mit auf die Visitenkarte oder das Türschild, sonst droht eine Strafe wegen falscher Titelführung. Das verschweigen die "Konditionen" des Online-Verkäufers. Dort steht nur: Dies sei "kein echter akademischer Titel". Deshalb müssten Herkunftsland und "Fachgebiet" ("freie Auswahl aus 65") mitgenannt werden, "um nicht mit Amts- oder Dienstbezeichnungen verwechselt werden zu können".

Dabei ist die Verwechslung mit echten Titeln Ziel des Geschäfts. Aber was ist noch echt an einem "Dr." im Jahr 2012, in dem vielen auf Anhieb eher aberkannte Doktoren als solche einfallen, für deren rechtmäßige Ehrung sie eine Hand ins Feuer legen würden?

Sind Guttenberg & Co. vielleicht mit schuld am Online-Preisverfall des Titels aus Miami? Dabei ist die Frage "Was haben Sie bezahlt?" nicht ehrenrührig. Wer behauptet, den Titel umsonst bekommen zu haben, der lügt - oder kann nicht rechnen. Denn ohne Pfusch steckt dahinter eine wissenschaftliche Arbeit, die Mühe, Zeit und Geld verschlingt: vom Lebensunterhalt während der Doktorandenzeit bis zu Gebühren für die echte Uni und die - trotz Online-Zeitalters meist verlangte - Veröffentlichung von etwa 150 Pflichtexemplaren der Doktorarbeit.

Der Online-Titel macht weniger Aufhebens. Selbst das Kleingedruckte ist übersichtlich. Dort wird gewarnt: Nur "1 Gutschein pro Person einlösbar". Bestimmt will Groupon (70 Millionen Nutzer in 35 Ländern) nicht schuld sein an einer Akademikerschwemme.