Verkehr

Zehn Kilometer Stoa auf der A 7

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Stell dir vor, es ist Stau, und du hörst auf dein Navi - oft hilft auf der Autobahn nur die Philosophie. Anders ausgedrückt: Augen zu und durch.

Pech für Dieter Bohlen, denn mit seinem Bekenntnis liegt er ziemlich daneben: "Die einzige Frau, auf die ich höre, ist die aus dem Navi in meinem Auto." Pech jedenfalls dann, wenn die sexy Stimme ihm rät, einen Stau zu umfahren, und er daraufhin auf eine Nebenstrecke ausweicht.

Statt frauengesteuert auszuscheren, sollten Autofahrer trotz Stauwarnung lieber das tun, was man im Übrigen allen raten kann, die Bohlen begegnen (und sei es nur medial): Augen zu und durch. "Das Umfahren lohnt sich unterm Strich nicht", hat jetzt Stauforscher Michael Schreckenberg herausgefunden. Der Professor für Physik und Transport an der Uni Duisburg-Essen rechnet vor: Wenn nur jeder zehnte Fahrer der Navi-Stimme folgt, ist die Alternativroute schneller dicht, als es der nächste Ausweichtipp berücksichtigen könnte.

Hier offenbart sich ein generelles Problem von Raum und Zeit. Jede dritte Radio-Verkehrsmeldung ist schon überholt in dem Moment, in dem sie verlesen wird, egal ob von Frauen- oder Mannesstimme. Dass dennoch die Hälfte aller Fahrer die Autobahn verlässt, wenn ein Stau angekündigt wird, hängt vielleicht damit zusammen, dass die im antiken Griechenland entwickelte Tugend der Stoiker ein wenig aus der Mode gekommen ist. Die Anhänger dieser philosophischen Schule zeichneten sich durch beeindruckende Gelassenheit und Seelenruhe aus, wohl gefördert durch den Umstand, dass sie weder Navi noch Motorfahrzeuge kannten. Dafür wandelten sie lustvoll durch genau jene Säulenhallen ("Stoa"), denen sie ihren Namen verdankten. Stoische Sturheit - zu ihr rät der Stauforscher. Wer trotz Staumeldungen die Route beibehalte, komme am schnellsten zum Ziel.

Drastischer drückt das ein Team von ADAC-Redakteuren aus, die im Selbstversuch herausfanden: Navis schaffen sogar oft erst die Stauprobleme, die sie eigentlich mit ihren Ausweichempfehlungen lösen sollten.

Das klingt dann doch heftig nach einem tief in der Philosophie verwurzelten Konflikt.